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Holzverbrennung in Berlin gefährdet Stoffströme

Die geplante Konversion des Kohlekraftwerksstandorts Reuter West in Berlin zu einer Anlage mit großmaßstäblicher Holzverbrennung stößt in der deutschen Holzwerkstoffindustrie auf Kritik. Nach Einschätzung der Branche drohen erhebliche Auswirkungen auf die Rohstoffversorgung und die Verwertung von Altholz sowie weiteren Holzfraktionen in der Region Berlin-Brandenburg.
Holzverbrennung in Berlin gefährdet Stoffströme
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Nach den vorliegenden Antragsunterlagen sollen in der Abfallmitverbrennungsanlage gemäß § 2 Absatz 4 der 17. BImSchV als Brennstoffe Holzabfälle der Altholzkategorien A I bis A IV, naturbelassene Biomasse aus Landschaftspflegemaßnahmen, Waldrestholz sowie Agrarholz aus Kurzumtriebsplantagen eingesetzt werden. Aus Sicht der Holzwerkstoffindustrie umfasst dieses Brennstoffspektrum jedoch überwiegend Holzsortimente, die grundsätzlich auch stofflich verwertet werden können und damit als Rohstoff für die Holzwerkstoffproduktion verfügbar wären.

Die Branche verweist darauf, dass der beantragte Brennstoffbedarf in Kombination mit bestehenden Verwertungskapazitäten im Großraum Berlin und weiteren Projekten, darunter ein in Prüfung befindlicher Kraftwerksneubau am Standort Klingenberg sowie mögliche zusätzliche Nachfrage aus einer Anlage zur Herstellung von Biokohle, die Situation am überregionalen Holzmarkt verschärfen könnte. Insbesondere regionale Abnehmer in Berlin-Brandenburg sehen nach Angaben der Industrie Risiken für eine verlässliche Rohstoffversorgung und wirtschaftliche Stabilität.

Die geplanten Einsatzmengen am Standort Reuter West werden von der Holzwerkstoffindustrie nicht als begrenzte Ergänzung, sondern als deutliche Ausweitung energetischer Nutzungskapazitäten bewertet. Gleichzeitig werde mit der Einbeziehung der Altholzkategorien A I bis A III ein Spektrum berücksichtigt, das üblicherweise weiterhin für stoffliche Nutzung in Betracht kommt. Damit sei aus Branchensicht nicht erkennbar, dass der Einsatz ausschließlich auf Holz am Ende einer Nutzungskaskade begrenzt wird.

Die Holzwerkstoffindustrie betont, dass stofflich verwertbare Holzsortimente bevorzugt in der Materialverwertung eingesetzt werden sollten. Bei der stofflichen Nutzung bleibt der im Holz gebundene Kohlenstoff länger gespeichert. Zudem kann sich dieser Effekt durch Recycling und erneute Verarbeitung zu Holzwerkstoffen über mehrere Nutzungszyklen verlängern, während die energetische Nutzung den Kohlenstoff in einem einzigen Schritt freisetzt.

Zugleich wird darauf hingewiesen, dass der Transformationsdruck in der Fernwärmeversorgung nicht bestritten wird, die Verfügbarkeit von Holz als Biomasse jedoch begrenzt bleibt. Nach Einschätzung der Branche ist in den kommenden Jahrzehnten mit einer veränderten Rohstofflage zu rechnen. Zusätzlich könnten neue Nachfrageimpulse aus der Bioökonomie und einer wachsenden stofflichen Nutzung zu verstärkter Konkurrenz um geeignete Holzsortimente führen.

Vor diesem Hintergrund befürchtet die Holzwerkstoffindustrie eine Überlastung des Altholzmarktes und sieht Risiken für die Einhaltung der europäischen Abfallhierarchie. Sofern bestimmte Altholzherkünfte in den Brennstoffmix einbezogen werden, verweist die Branche zudem auf mögliche Konflikte mit der Kaskadenregelung der Gewerbeabfallverordnung. Darüber hinaus werde das Projekt als widersprüchlich zu den Recyclingbestrebungen der Altholzbranche sowie zur Kreislaufwirtschaftsstrategie des Landes Berlin bewertet, insbesondere wenn stofflich verwertbare Fraktionen in großem Umfang einer energetischen Nutzung zugeführt werden.

Aus Sicht der deutschen Holzwerkstoffindustrie sollten die Planungen zur Standortkonversion Reuter West daher mit Blick auf Rohstoffverfügbarkeit, Verwertungshierarchie und regionale Stoffstromsicherung erneut geprüft werden.

Quelle: VHI
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