Beitrag zur Rohstoffversorgung
Seltene Erden zählen zu den kritischen Rohstoffen der Europäischen Union. Sie sind für zahlreiche Industriezweige relevant und unterliegen zugleich hohen Versorgungsrisiken. Eine zentrale Anwendung sind Permanentmagnete auf Basis von Neodym-Eisen-Bor. Mit der Anlage in Pforzheim will HyProMag zur Verringerung der Importabhängigkeit bei Seltene-Erden-Metallen beitragen und europäische Lieferketten für kritische Rohstoffe stärken.
Der Bau der Anlage wurde teilweise aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung sowie durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg finanziert.
Recycling und Fertigung an einem Standort
Die Anlage umfasst eine Recycling- und Fertigungslinie für gesinterte Seltene-Erden-Magnete im kommerziellen Maßstab. Grundlage ist die patentierte „Hydrogen Processing of Magnet Scrap“-Technologie, kurz HPMS. Sie wurde an der Universität Birmingham entwickelt und ermöglicht das Recycling von Neodym-Eisen-Bor-Magneten aus Altprodukten.
Anfang April 2026 wurden erste Anlaufversuche zur Inbetriebnahme abgeschlossen. Noch im laufenden Jahr sollen recycelte Neodym-Eisen-Bor-Produkte hergestellt werden. Dazu zählen Legierungspulver, Sinterblöcke und fertige Magnete. Bereits im Januar 2026 hatten HyProMag Ltd. und die Universität Birmingham im Tyseley Energy Park in Großbritannien eine Anlage auf Basis derselben Technologie eröffnet.
Direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling
Das HPMS-Verfahren erhält die ursprüngliche Magnetlegierung und ermöglicht damit ein direktes Magnet-zu-Magnet-Recycling. Nach Unternehmensangaben können dadurch im Vergleich zur Primärproduktion bis zu 90 Prozent der Kohlenstoffdioxid-Emissionen eingespart werden. Zugleich entfallen energieintensive Verarbeitungsschritte wie Metallherstellung und Legierung.
Neodym-Eisen-Bor-Magnete werden unter anderem in Elektrofahrzeugen, Windkraftanlagen, Luft- und Raumfahrttechnik, Elektronik, medizinischer Bildgebung, Robotik, autonomer Agrartechnik und magnetischer Filtration eingesetzt. Ihre hohe Leistungsdichte macht sie für Anwendungen relevant, bei denen geringes Gewicht, kompakte Bauweise und hohe magnetische Leistung erforderlich sind.
Deutsch-britische Zusammenarbeit
Die HyProMag GmbH wurde gegründet, um die HPMS-Technologie in Deutschland und der Europäischen Union zu vermarkten. Die Kommerzialisierung wurde über mehrere Jahre durch Fördermittel von UK Research and Innovation, der Europäischen Union, des Landes Baden-Württemberg und der britischen Regierung im Rahmen der Initiative „Driving the Electric Revolution“ unterstützt.
Das Projekt zählt nach Unternehmensangaben zu den 17 Leuchtturmprojekten des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags von 2025. HyProMag sieht die Anlage in Pforzheim als Bestandteil einer europäischen Lieferkette für Seltene-Erden-Magnete und als Grundlage für den weiteren Ausbau von Recycling- und Produktionskapazitäten.







