Anlass ist nach Angaben des Verbandes die wirtschaftlich angespannte Lage der Kunststoff verarbeitenden Industrie in Deutschland. Als zentrale Belastungsfaktoren nennt pro-K eine aus seiner Sicht unausgewogene Regulierung, hohe Energiekosten und zunehmende geopolitische Risiken.
Im Schreiben fordert der Verband, dass sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene stärker für die Wettbewerbsfähigkeit der Kunststoffindustrie in Deutschland einsetzt. Aus Sicht von pro-K gehören dazu gleiche Wettbewerbsbedingungen für europäische Hersteller und Importeure, eine wissenschaftsbasierte und differenzierte Regulierung, der Abbau bürokratischer Lasten sowie eine wirksamere Marktüberwachung und strengere Importkontrollen.
Kritik an Regulierungsverfahren
Als ein zentrales Beispiel nennt pro-K das laufende Beschränkungsverfahren zu per- und polyfluorierten Alkylsubstanzen, kurz PFAS. Der Verband warnt davor, dass eine pauschale Einordnung von Fluorpolymeren die Verfügbarkeit von Materialien beeinträchtigen könnte, die in Hochtechnologie- und Sicherheitsanwendungen eingesetzt werden. Zugleich verweist pro-K darauf, dass diese Stoffe in anderen Weltregionen differenzierter reguliert würden.
Auch die europäische Mikroplastikregulierung bewertet der Verband kritisch. Nach Darstellung von pro-K entstehen der Kunststoff verarbeitenden Industrie dadurch umfangreiche Berichtspflichten, obwohl ihr Anteil am Mikroplastikeintrag vergleichsweise gering sei. Der zusätzliche Verwaltungsaufwand stehe aus Sicht des Verbandes nicht in einem angemessenen Verhältnis zum erwarteten Umweltnutzen.
Marktüberwachung und Importkontrollen
Handlungsbedarf sieht pro-K zudem bei der Produktkonformität von Lebensmittelbedarfsgegenständen. Nach Einschätzung des Verbandes reicht die Marktüberwachung nicht aus, um nicht konforme Importprodukte wirksam zu erfassen. Diese würden häufig über Online-Plattformen in den Markt gelangen, regelkonforme Produkte aus der Europäischen Union unter Wettbewerbsdruck setzen und zugleich Risiken für den Verbraucher- und Gesundheitsschutz erhöhen.
Geopolitische Risiken verschärfen den Druck
Zusätzlich verweist der Verband auf die Folgen aktueller geopolitischer Entwicklungen. Insbesondere die Krise im Nahen Osten führe zu Belastungen für Lieferketten, zu steigenden Rohstoffpreisen und zu wachsenden Unsicherheiten im internationalen Handel. Damit verschärfe sich die Lage einer Branche, die bereits unter erheblichem Kosten- und Wettbewerbsdruck stehe.
Forderung nach industriepolitischem Gegensteuern
Mit dem offenen Brief verbindet pro-K die Erwartung, dass die Bundesregierung die industriepolitischen Herausforderungen der Branche aufgreift und auf europäischer Ebene aktiv behandelt. Ziel sei es, verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu schaffen, die Investitionen ermöglichen und den Industriestandort Deutschland langfristig absichern.







