Giftmüllentsorgung – Milliardengeschäft der Öko-Mafia?

Nachdem vor einigen Monaten vor Kalabrien ein Wrack mit Giftmüll gefunden worden ist, rätselt man in Italien über das Ausmaß des möglichen Umweltskandals. Jetzt hoffen italienische Umweltschützer auf einen Durchbruch bei den Ermittlungen. Dass dies in Italien nicht ganz einfach ist, zeigt ein Bericht der schweizerischen Zeitung „Tagesanzeiger“.

Daraus geht hervor, dass die italienische Mafia in den vergangenen Jahrzehnten bereits Milliarden am Handel mit toxischen Abfällen „verdient“ haben soll. Wie aus dem Bericht weiter hervorgeht, soll es schon seit Jahren konkrete Hinweise darauf geben, dass auch die kalabrische Mafia, die Ndrangheta, ganze Schiffe mit toxischer Fracht einfach im Mittelmeer versenkt hat.

Seit Sommer des vergangenen Jahres soll bereits der für die Ökomafia zuständige Staatsanwalt Bruno Giordano gegen derartige Verbrechen ermitteln.

Schon im Jahr 2006 sagte ein Überläufer der ‚Ndrangheta gegenüber den Behörden aus, dass er das Schiff versenkt habe, mitsamt seiner hochgiftigen Ladung. Wie die Zeitung weiter berichtet, sollen danach auch zwei andere Schiffe auf diese Weise „entsorgt“ worden sein. Gleichzeitig soll der einstige Mafioso behauptet haben, dass die drei Frachter Ende der 80er Jahre von der italienischen Regierung angeheuert worden seien, um Giftmüll zu transportieren, angeblich auch radioaktive Abfälle aus dem christlichen Teil des Libanon.

Staatsanwalt Giordano warnt in dem Zeitungsbericht vor voreiligen Schlüssen. Es seien weitere Untersuchungen notwendig, aber niemand könne jetzt mehr behaupten, dass es die Giftschiffe im Mittelmeer nicht gibt. Mindestens 32 weitere Wracks sollen laut der Umweltschutzorganisation Legambiente vor Italiens Küsten liegen.

Schätzungen zufolge sollen die drei Mafia-Organisationen in Süditalien in einem längst globalen Geschäft jährlich 20 Milliarden Euro erwirtschaften, zitiert der Tagesanzeiger aus dem neuen Bericht von Legambiente. Dabei werde hochgiftiger und strahlender Müll aufgekauft, als harmloser Abfall umverpackt und illegal in Süditalien entsorgt, auf dem Seeweg in Entwicklungsländer gebracht – oder einfach in internationalen Gewässern verklappt.

Wie die Zeitung weiter berichtet, beeile man sich in der italienischen Hauptstadt jetzt, Unterstützung bei den Ermittelungen zuzusichern. Im Umweltministerium sollen bereits mehrere Krisensitzungen stattgefunden haben. Einige Abgeordnete der Opposition sollen aber den schwerwiegenden Verdacht geäußert haben, dass die jeweiligen Regierungen in Rom recht wenig Interesse an Aufklärung hätten, denn das hätte bereits vor Jahren aufgeklärt werden müssen.

Wie es in dem Bericht abschließend heißt, sei es gefährlich, sich in das Geschäft mit dem Gift einzumischen. Immerhin soll ein Marineoffizier 1995, mit 38 Jahren, angeblich einem Herzinfarkt erlegen sein, nachdem er der illegalen Entsorgung von Schwermetallen auf der Spur war.

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