Ursache ist eine strukturelle Benachteiligung von Rezyklaten gegenüber Primärrohstoffen, die die Wettbewerbsfähigkeit von Recyclingprodukten einschränkt. 2025 gingen die europäischen Recyclingkapazitäten um rund eine Million Tonnen zurück.
Der Bericht verweist auf steigende Betriebskosten, eine anhaltend geringe Nachfrage nach Recyclingrohstoffen sowie Preisdruck durch Kunststoffimporte aus Drittstaaten. Diese Faktoren beeinträchtigen die wirtschaftliche Stabilität der Branche und erschweren die Erreichung der Umwelt- und Klimaziele der Europäischen Union. Positiv bewertet der Rechnungshof die Situation in Österreich, wo mehr als 60 Prozent der Abfälle aus Haushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen recycelt werden. Grundlage dafür sind spezialisierte Anlagen, moderne Sortier- und Aufbereitungstechnologien sowie eine flächendeckende Infrastruktur.
Aus Sicht des Verband Österreichischer Entsorgungsbetriebe bleibt die geringe Marktnachfrage nach Sekundärrohstoffen ein zentrales Problem. Ohne eine rechtliche Gleichstellung von Primär- und Recyclingrohstoffen lasse sich eine geschlossene Kreislaufführung kaum realisieren. Seit Jahren fordert die Branche verbindliche Vorgaben für den Einsatz von Rezyklaten sowie eine Harmonisierung der Rahmenbedingungen innerhalb der EU.
Der Rechnungshof sieht die Notwendigkeit, die Kreislaufwirtschaft wirtschaftlich tragfähiger zu gestalten. Dazu zählt auch der Abbau bürokratischer Hemmnisse im innereuropäischen Handel mit Recyclingmaterialien. Ein funktionierender Binnenmarkt für Rezyklate setzt voraus, dass aufbereitete Abfälle als wirtschaftliche Ressource anerkannt und grundsätzlich dem freien Warenverkehr unterstellt werden. Erst unter diesen Bedingungen können faire Wettbewerbsverhältnisse entstehen.
Nach Einschätzung des Rechnungshofs sind die aktuellen Marktbedingungen in Europa insgesamt ungünstig. Fragmentierte Märkte, hohe Energiekosten, volatile Preise für Neuplastik sowie Wettbewerbsverzerrungen durch Drittstaaten führten 2025 zum stärksten Rückgang der europäischen Kunststoffrecyclingindustrie seit Beginn der Datenerhebung. Die bislang von der Europäische Kommission geplanten Maßnahmen reichen aus Branchensicht nicht aus, um diese Entwicklung zu stoppen. Erforderlich sind verbindliche Beschaffungs- und Einsatzquoten für Recyclingmaterialien.
Während Österreich die EU-Ziele für das Recycling von Siedlungsabfällen für 2025 bereits im Jahr 2022 erreicht hat, verfehlen zahlreiche Mitgliedstaaten die Vorgaben weiterhin deutlich. Besonders bei der Deponierung bestehen erhebliche Defizite, etwa in Griechenland oder in Rumänien, wo ein Großteil der Siedlungsabfälle weiterhin nicht verwertet wird. Der Rechnungshof empfiehlt der EU-Kommission, bestehende Überwachungs- und Durchsetzungsinstrumente konsequenter anzuwenden. In Österreich tragen das Deponieverbot für unbehandelte Siedlungsabfälle sowie die Nutzung der Abfallverbrennung zur Energiegewinnung wesentlich zur Zielerreichung bei. Für eine langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Recyclingwirtschaft ist jedoch eine koordinierte europäische Strategie erforderlich.







