Plastik zu Öl

Die Umweltorganisation One Earth – One Ocean e. V. (OEOO) berichtet, dass in einer Kompaktraffinerie ihres Partners Biofabrik Technologies GmbH in Dresden die weltweit ersten erfolgreichen Verölungsversuche von Plastikmüll aus dem Meer umgesetzt wurden.
OEOO-Umweltingenieur Erich Groever mit zwei Proben des aus Plastikmüll aus dem Meer gewonnenen Öls (Foto: One Earth – One Ocean e. V. (OEOO))
OEOO-Umweltingenieur Erich Groever mit zwei Proben des aus Plastikmüll aus dem Meer gewonnenen Öls (Foto: One Earth – One Ocean e. V. (OEOO))

Plastikmüll werde somit zum Wertstoff. Das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ von OEOO sei erstmals vollständig umgesetzt. Damit sei OEOO auch die erste Umweltorganisation weltweit, die den von ihr im Meer eingesammelten Plastikmüll erfolgreich verölen kann, heißt es vonseiten der Organisation.

Das mehrstufige Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ von OEOO sieht vor, Meeresmüll mit speziellen Müllsammelschiffen einzusammeln und anschließend wiederzuverwerten beziehungsweise einen Teil davon in Öl umzuwandeln. Dazu wurde Meeresmüll aus diversen Sammelaktionen der letzten Zeit an Nord- und Ostsee manuell sortiert und der verwertbare Plastikmüll-Anteil geshreddert. In einem mehrstufigen Raffinationsprozess wurde der zerkleinerte Plastikmüll dann in einer sogenannten Kompaktraffinerie des Technologiepartners Biofrabrik aus Dresden verölt. Die Kompaktanlage kann bis zu 750 Kilogramm Plastikmüll pro Tag verarbeiten und in Kraftstoff umwandeln.

Für Günther Bonin, dem Gründer von OEOO, der das Konzept der „Maritimen Müllabfuhr“ entwickelt hat, geht damit ein Traum in Erfüllung, an dessen Realisierung er mit seinem Team die letzten acht Jahre gearbeitet hat. „Für uns ist es schon ein großer Erfolg, möglichst viel Plastikmüll aus den Gewässern zu bekommen, bevor er sich zu Mikroplastik zerkleinert und damit nicht mehr aus der Natur zu entfernen ist. Von ebenso großer Bedeutung ist aber der zweite Schritt, nämlich die erfolgreiche Verwertung. Sobald die Menschen erkennen, das Plastik kein Müll, sondern ein Rohstoff ist, aus dem weltweit Energie gewonnen werden kann, werden sie ihn nicht mehr achtlos in die Umwelt kippen. Dezentrale Verwertungslösungen wie jene der Biofabrik helfen uns dabei, dieses Bewusstsein zu schaffen.“

Oliver Riedel, CEO und Gründer der Biofabrik Technologies GmbH, ist stolz darauf, eine der ersten Verwertungslösungen bieten zu können, die imstande ist, Plastikmüll in industriellem Maßstab erfolgreich zu verölen: „Müll wie Energie stellen die Menschheit heute vor riesige Herausforderungen. Auf der einen Seite haben die meisten Länder riesige Müllberge, auf der anderen keine stabile, preiswerte und nachhaltige Energieversorgung. Die Kompaktraffinerie der Biofabrik löst praktisch beide Probleme gleichzeitig. Unsere WASTX-Technologie  liefert Energie für bis zu 1.000 Menschen– jeden Tag und aus ihrem eigenen Plastikmüll. Soll mehr Abfall verarbeitet werden, können unsere Anlagen modular miteinander verbunden werden. Unsere Waste-to-Energy-Komplettlösungen sollen dabei aus dem Abfallstoff Plastik einen wertvollen Rohstoff machen – und bereits an Land durch Vergütungskonzepte Plastikabfall vermeiden helfen. Das Konzept von OEOO hilft uns nun, diese Technologie auf die Meere zu übertragen.“

Die Technologie zur Verölung von Plastikmüll soll in den kommenden Jahren auch bei den See-Elefanten, autarken Energieschiffen, deren Bau OEOO derzeit plant, zum Einsatz kommen. Diese umgebauten Frachtschiffe mit Verölungs- und Sortieranlagen an Bord produzieren aus dem Plastikmüll Kraftstoff und können diesen entweder an Anrainerstaaten verkaufen oder als mobile Tankstelle auf hoher See dienen. In küstennahen Megacitys wie Hongkong oder Rio könnte ein See-Elefant dafür sorgen, die Haus- und Industrieabfälle aus Kunststoff sowie die gesammelten Kunststoffabfälle aus dem Meer zu recyceln beziehungsweise in wertvollen Kraftstoff zurückzuverwandeln.

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