In Europa stehen derzeit nicht ausreichend recycelte Kunststoffe zur Verfügung, um den steigenden Bedarf der Automobilindustrie zu decken. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die im Vorfeld der Branchenmesse PIAE in Baden-Baden veröffentlicht wurde. Vor dem Hintergrund der neuen EU-Altfahrzeugverordnung gewinnen Rezyklateinsatzquoten im Automobilsektor weiter an Bedeutung.
EU-Altfahrzeugverordnung konkretisiert Vorgaben
Ende Februar 2026 hat der Ausschuss ENVI/IMCO die im Trilog erzielte Einigung zur EU-Altfahrzeugverordnung bestätigt. Nach den noch ausstehenden formellen Lesungen gilt der Regelungsinhalt als weitgehend abgestimmt. Die Verordnung führt erstmals verbindliche Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffe in Fahrzeugen ein und zielt auf eine stärkere Kreislauffähigkeit im Fahrzeugdesign.
Sechs Jahre nach Inkrafttreten müssen Kunststoffkomponenten in neu zugelassenen Fahrzeugen mindestens 15 Prozent Rezyklat enthalten. Nach zehn Jahren steigt dieser Anteil auf 25 Prozent. Ein Anteil von mindestens 20 Prozent soll aus Altfahrzeugen stammen. Die Vorgaben gelten für nahezu alle Fahrzeugsegmente und erhöhen den Bedarf an hochwertigem Recyclingmaterial deutlich.
Studie zeigt Versorgungslücke bei Rezyklaten
Eine Untersuchung der Conversio Market & Strategy GmbH im Auftrag der BKV GmbH zeigt, dass die verfügbaren Mengen an hochwertigem Kunststoffrezyklat in der EU nicht ausreichen, um die künftigen Anforderungen zu erfüllen. Selbst unter optimistischen Annahmen bleibt eine deutliche Angebotslücke bestehen.
Besonders betroffen sind post-consumer-basierte Polypropylen-Rezyklate. Die Nachfrage aus der Automobilindustrie steigt so stark, dass langfristig ein erheblicher Anteil der verfügbaren Marktmenge benötigt wird, um die regulatorischen Vorgaben zu erfüllen. Für Fahrzeughersteller und Zulieferer ergibt sich daraus ein steigender Anpassungsdruck, da bestehende Sammel-, Sortier- und Recyclingkapazitäten nicht im erforderlichen Umfang ausgebaut sind.
Ausbau der Recyclinginfrastruktur erforderlich
Zur Schließung der Versorgungslücke ist ein beschleunigter Ausbau der Recyclinginfrastruktur erforderlich. Dazu zählen Investitionen in Rücknahmesysteme, verbesserte Sammel- und Sortiertechnologien sowie die Weiterentwicklung von Verfahren wie chemischem, lösemittelbasiertem und enzymatischem Recycling.
Die Umsetzung der Rezyklateinsatzquoten im Automobilsektor hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit geeigneter Sekundärrohstoffe ab. Ohne zusätzliche Kapazitäten entlang der gesamten Wertschöpfungskette ist eine fristgerechte Erfüllung der regulatorischen Anforderungen nicht gesichert.
Kurzfassung der Studie (englisch)







