Ein hochwertiges Recycling kann dazu beitragen, Ressourcen im Stoffkreislauf zu halten und Emissionen zu reduzieren. Um Recyclingprozesse in der Bauwirtschaft besser steuerbar zu machen, entwickelt das Tübinger Startup Optocycle ein KI-basiertes System für ein Echtzeit-Monitoring in der Aufbereitung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 170.000 Euro.
Im Mittelpunkt der Entwicklung steht die automatisierte Qualitätsüberwachung von RC-Körnungen, also recycelten Gesteinskörnungen aus Bauschutt. Optocycle hat im Rahmen der DBU-Green-Startup-Förderung bereits ein System zur automatischen und reproduzierbaren Klassifizierung von Bauabfällen entwickelt. Darauf aufbauend soll ein Prototyp entstehen, der die Qualität der RC-Körnungen während des laufenden Aufbereitungsprozesses in Echtzeit überwacht.
In der Praxis erfolgt die Beurteilung des Eingangsmaterials häufig anhand visueller Einschätzungen, während Endprodukte meist nur stichprobenartig im Labor geprüft werden. Das von Optocycle entwickelte System soll eine kontinuierliche Kontrolle direkt in der Produktion ermöglichen. Ziel ist es, qualitätsgesicherte Recycling-Gesteinskörnungen zuverlässiger in die Betonherstellung zu überführen und Schwankungen im Material stärker zu reduzieren.
Die Lösung kombiniert optische Sensorik mit Methoden der künstlichen Intelligenz, um Materialzusammensetzung und Qualität während der Aufbereitung systematisch zu erfassen. Schwankende Eigenschaften von Recyclingmaterialien führen in vielen Anlagen dazu, dass verwertbare Fraktionen nicht konsequent in hochwertige Anwendungen gelangen oder als Reststoff deponiert werden. Optocycle erwartet durch das Echtzeit-Monitoring eine um etwa 20 Prozent höhere Menge an recycelten, hochwertig nutzbaren Gesteinskörnungen. Gleichzeitig soll die Menge der verbleibenden Abfallreste, die andernfalls deponiert würden, um rund 15 Prozent sinken.
Neben der Klassifizierung des Eingangsmaterials soll das System auch die Eigenschaften des erzeugten Materials fortlaufend dokumentieren. Dadurch lassen sich Qualitätsdaten direkt im Prozess bereitstellen, was die Nachvollziehbarkeit für Betreiber, Abnehmer und Prüfstellen verbessern kann. Als Kooperationspartner ist die Heinrich Feeß GmbH eingebunden, die bereits seit mehreren Jahren mit Optocycle zusammenarbeitet.
Optocycle sieht die Integration des Systems als nachrüstbare Lösung für bestehende Bauschutt-Recyclinganlagen vor. Die Installation soll oberhalb des Förderbands erfolgen und ohne grundlegende Umbaumaßnahmen möglich sein. Damit richtet sich die Entwicklung auch an Anlagenbetreiber, die vorhandene Technik schrittweise modernisieren möchten. Perspektivisch soll der Ansatz auf weitere Abfall- und Stoffströme übertragbar sein, sofern geeignete Datenmodelle und Sensorsysteme vorliegen.







