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Streit um Holz als Energierohstoff

Der Entwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz verschärft eine Debatte, die weit über die Wärmewende hinausreicht. Im Zentrum steht die Frage, wie Holz künftig eingesetzt werden soll: als Brennstoff oder als Rohstoff für die industrielle Nutzung. Vor allem die Papier- und Holzwerkstoffindustrie fordert eine stärkere Orientierung am sogenannten Kaskadenprinzip.
Kaskadenprinzip Holz
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Holz konkurriert um knappe Ressourcen

Holz gilt im Gebäudesektor seit Jahren als erneuerbare Energiequelle. Pelletheizungen und Kaminöfen profitieren von einem positiven Klimaimage sowie von politischen Förderanreizen. Gleichzeitig steigt jedoch der Bedarf an Holz als Rohstoff. Die Bauwirtschaft, die Papierindustrie sowie neue Anwendungen der Bioökonomie konkurrieren zunehmend um dieselben Ressourcen.

Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz will die Bundesregierung das Gebäudeenergierecht neu ausrichten. Der Entwurf setzt stärker auf Technologieoffenheit und weniger Detailvorgaben. Gleichzeitig enthält er neue Leitplanken für den Wärmemarkt. Dazu gehört auch die stärkere Berücksichtigung der kaskadischen Holznutzung.

Vorrang für die stoffliche Nutzung

Das Kaskadenprinzip sieht vor, Holz zunächst stofflich zu nutzen, anschließend mehrfach wiederzuverwenden oder zu recyceln und erst am Ende energetisch zu verwerten. Die Europäische Union verfolgt diesen Ansatz seit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III verstärkt. Die Richtlinie betont, dass Bioenergiepolitik stärker mit der stofflichen Nutzung von Biomasse abgestimmt werden soll.

Gleichzeitig räumt die Europäische Union den Mitgliedstaaten Spielräume ein. Ausnahmen sind etwa bei Versorgungssicherheit, regionalen Besonderheiten oder nach Sturmereignissen möglich.

Steigende Nachfrage nach Holzenergie

Die Pelletproduktion in Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich erhöht. Nach Einschätzung von Industrievertretern gelangen inzwischen zunehmend Holzsortimente in die energetische Nutzung, die zuvor stofflich hätten eingesetzt werden können.

Damit verbunden ist auch eine wirtschaftliche Frage. Wird Holz zunächst zu Produkten verarbeitet und später recycelt, entsteht entlang der Nutzungskette zusätzliche Wertschöpfung. Die direkte energetische Nutzung erzeugt dagegen ausschließlich Wärme.

Industrie sieht Biomasse weiter als notwendig an

Die Debatte richtet sich nicht grundsätzlich gegen Holzenergie. Vor allem im Industriesektor gilt Biomasse weiterhin als wichtige Option, insbesondere bei Hochtemperaturprozessen, für die bislang nur begrenzte Alternativen verfügbar sind.

Im Gebäudebereich stehen dagegen etablierte Technologien wie Wärmepumpen zur Verfügung. Kritiker einer stärkeren Holzverbrennung im Wärmemarkt verweisen darauf, dass Heizsysteme langfristige Investitionen darstellen. Förderanreize könnten daher über Jahrzehnte zusätzlichen Holzbedarf im Energiesektor festschreiben.

Papierindustrie verweist auf Mehrfachnutzung

Die Papierindustrie nennt die Nutzung von Holzfasern als Beispiel für funktionierende Kreislaufwirtschaft. Holzfasern lassen sich je nach Qualität und Aufbereitung mehrfach recyceln. Dadurch bleibt der Kohlenstoff länger im Materialkreislauf gebunden. Gleichzeitig können papierbasierte Produkte fossile Materialien etwa im Verpackungsbereich ersetzen.

Erst am Ende dieser Nutzungskette erfolgt die energetische Verwertung.

Streit um Markt und Regulierung

Kritiker der geplanten Kaskadenorientierung bewerten den Ansatz als Eingriff in den Markt. Befürworter verweisen dagegen auf bestehende Förderprogramme und steuerliche Vorteile für Holzenergie. Diese beeinflussten bereits heute die Marktbedingungen.

Die Diskussion um das Gebäudemodernisierungsgesetz entwickelt sich damit zunehmend zu einer Grundsatzdebatte über den Umgang mit biogenen Rohstoffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie begrenzte Holzressourcen künftig zwischen Energieerzeugung, Kreislaufwirtschaft und industrieller Nutzung verteilt werden sollen.

Quelle: Die Papierindustrie
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