Importabhängigkeit bleibt Risiko
Die deutsche Industrie hängt bei wichtigen Rohstoffen stark von Importen ab. Das betrifft unter anderem Lithium, Nickel und Seltene Erden. Geopolitische Spannungen, Exportbeschränkungen und schwankende Preise wirken sich daher direkt auf Lieferketten und Wettbewerbsfähigkeit aus.
Nach der Studie „Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz: Chancen der Circular Economy für die deutsche Industrie“ kann die Kreislaufwirtschaft diese Abhängigkeit verringern. Untersucht wurden die Branchen Mobilität, Maschinenbau, Bauwesen, Energie und Textil. Sie stehen zusammen für mehr als 60 Prozent der industriellen Wertschöpfung in Deutschland.
Wertschöpfung kann sich verdoppeln
Die zirkuläre Bruttowertschöpfung könnte von derzeit 60 Milliarden Euro auf bis zu 125 Milliarden Euro im Jahr 2045 steigen. Kumuliert ergibt sich daraus ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von bis zu 880 Milliarden Euro.
Recycling und Wiederverwendung könnten bis 2045 zwischen 20 und 40 Prozent der strategischen Rohstoffimporte ersetzen. Bei Seltenen Erden könnte die Importabhängigkeit um bis zu 20 Prozent sinken, bei Batteriematerialien um bis zu 10 Prozent.
Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende
Die Studie sieht zudem einen zusätzlichen Klimaschutzeffekt. Demnach könnten die Treibhausgasemissionen um weitere 11 Millionen Tonnen sinken. Gleichzeitig könnten die Kosten der Energiewende bis 2045 kumuliert um fast 40 Milliarden Euro niedriger ausfallen.
Dazu beitragen können die Wiederverwendung und Aufbereitung von Komponenten für Windturbinen, Transformatoren und Batterien. Sie senken den Bedarf an Primärrohstoffen und können den Aufbau der Infrastruktur für die Energiewende kosteneffizienter machen.
Chancen für Anlagenbau und Recyclingtechnik
Deutschland verfügt laut Studie über günstige Voraussetzungen, um die Kreislaufwirtschaft als Standortfaktor zu nutzen. Bis 2045 könnten jährlich bis zu 83 Millionen Tonnen Rezyklate verfügbar sein. Dadurch ließen sich zentrale Materialströme stärker im Inland halten.
Zugleich entstehen zusätzliche Märkte für Anlagen, Software sowie Sortier- und Recyclingtechnologien. Das globale Marktvolumen wird auf mehr als 150 Milliarden Euro beziffert. Für den deutschen Maschinenbau ergeben sich daraus neue Absatzmöglichkeiten.
Skalierung entscheidet
Auf Unternehmensebene bieten vor allem Remanufacturing und Refurbishment wirtschaftliche Potenziale. Solche Modelle können neue Kundengruppen erschließen und Materialkosten senken.
Für den Ausbau der Kreislaufwirtschaft in Deutschland veranschlagt die Studie Einmalinvestitionen von rund 20 Milliarden Euro bis 2045. Entscheidend bleiben schnellere Genehmigungen, zusätzliche Recycling- und Verwertungskapazitäten, funktionierende Märkte für Sekundärrohstoffe sowie passende Normen und Standards.







