Wenn das sortierte Material direkt in die eigene Betonproduktion geht, gibt es keinen Puffer. Was die Sortierung durchlässt, landet im eigenen Produkt. Das macht die Qualitätsanforderung an SORTAG besonders konkret: Die Anlage muss so sortieren, dass die mineralische Fraktion den Normen für RC-Beton genügt, die in der Schweiz zu den strengsten weltweit gehören.
Genau das ist die Situation bei SORTAG in Rümlang bei Zürich. SORTAG gehört zur KIBAG-Gruppe. KIBAG ist einer der größten Baustoffproduzenten der Schweiz, betreibt 25 Betonwerke und deckt den gesamten Baustoffkreislauf ab: vom Bauvorhaben über Rückbau und Recycling bis zurück in die eigene Betonproduktion. Die Anlage sortiert jährlich 35.000 bis 40.000 Tonnen gemischte Bauabfälle und Sperrgut. Das Ziel: mineralische Recycling-Gesteinskörnungen, die den Anforderungen der Schweizer Betonnormen genügen. Kein Downcycling zu Straßenunterbau, sondern Material, das zurück in die Betonproduktion der eigenen Gruppe fließt.
Was reinkommt und was rauskommen muss
Das Inputmaterial ist ein Gemisch aus Mineralik, Holz, Kunststoffen, Isolationen, Verbundstoffen, Stahl, Schrott und Nichteisen-Metallen. Daraus muss eine mineralische Fraktion mit rund 98 Prozent Reinheit entstehen. Metalle lassen sich vergleichsweise einfach abtrennen. Das eigentliche Problem sitzt tiefer: Gips.
Gips ist in fast jedem Gebäude verbaut, als Putz oder Trockenbauplatten. Im Bauschutt ist er überall. Er hat eine ähnliche Dichte wie Beton und Ziegel, lässt sich per Windsichtung nicht abtrennen und zerfällt beim Brechen zu Feinkorn, das sich in der mineralischen Fraktion verteilt. Im Beton löst Gips Sulfatreaktionen aus, die das Material langfristig schädigen. Die Schweizer Normen sind entsprechend streng: Im Betongranulat liegt der maximale Fremdstoffanteil bei 0,3 Massenprozent.
Aber Gips ist nicht das einzige Thema. Die Zusammensetzung von Bauabfällen schwankt, je nach Saison, Baukonjunktur und Rückbauprojekt. Was heute vor allem Betonabbruch ist, kann morgen ein Mischabbruch mit hohem Holz- und Isolationsanteil sein. Eine Sortieranlage, die nur auf ein Problem hin optimiert ist, kommt da an Grenzen.
Sechs Maschinen, ein flexibles Sortierkonzept
SORTAG setzt auf ein integriertes Sortierkonzept von Steinert, das magnetische Separation und sensorbasierte Sortierung in einem Prozess verbindet. Sechs STEINERT-Maschinen decken den gesamten Sortierprozess ab.
Nach der mechanischen Vorsortierung und dem Sieben nach Korngröße beginnt die Metallabtrennung: Ein Steinert UME Überbandmagnet und Steinert MOR Magnetbandrolle ziehen die Eisenmetalle aus dem Strom, Steinert EddyC trennt Nichteisenmetalle ab. Damit sind die Metalle raus und die nachgelagerten Aufbereitungssysteme geschützt.
Im nächsten Schritt übernimmt UniSort PR EVO 5.0 die Sortierung per Nahinfrarot: Sie trennt Holz, Kunststoffe und andere nichtmineralische Bestandteile von der Mineralik. UniSort PR EVO 5.0 arbeitet mit hyperspektraler NIR-Kamera, was die Erkennung auch bei schwierigen Materialien zuverlässiger macht.
Den entscheidenden Schritt übernehmen zwei Steinert KSS XT | CLI Kombinationssortiermaschinen. Sie kombinieren Kamera-, Laser-, Induktion- und Röntgentechnik und bringen die mineralische Fraktion auf finale Reinheit. Hier wird der Gips aussortiert, hier werden Störstoffe erkannt, die einzelne Sensoren allein nicht sicher identifizieren können. Die Kombination mehrerer Sensoren in einer Maschine ist auch der Grund, warum die Anlage flexibel auf wechselnde Inputzusammensetzungen reagieren kann, ohne dass Hardware getauscht werden muss.
Schweizer Niveau, internationales Problem
Die Schweiz gehört zu den Ländern mit den strengsten Anforderungen an Recycling-Baustoffe. Die SIA 2030 und die BAFU-Richtlinie definieren exakte Grenzwerte, öffentliche Auftraggeber verlangen zunehmend RC-Beton und kontrollieren die Qualität entsprechend. Gleichzeitig wird Deponieraum knapper und teurer, die natürlichen Kiesreserven gehen zurück.
Die Gips-Problematik ist dabei kein Schweizer Sonderthema. Die europäische Norm EN 206 begrenzt den Sulfatgehalt in Recycling-Zuschlagstoffen auf 0,2 Prozent. Studien aus Belgien, Frankreich und Kanada zeigen, dass die meisten industriell verfügbaren Recycling-Aggregate diesen Wert überschreiten. Gips lässt sich mit herkömmlicher mechanischer Sortierung nicht zuverlässig abtrennen, weil seine Dichte der von Beton und Ziegel zu ähnlich ist. Das macht sensorbasierte Sortierung für jeden Betreiber relevant, der mineralische Fraktionen für gebundene Anwendungen produzieren will.







