ZSVR: Ohne Einsatz von Rezyklaten Recyclingquoten nicht erfüllbar

Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) sieht dringenden Handlungsbedarf bei den Verpackungsherstellern.
Foto: VIVIANE MONCONDUIT; pixabay.com

Die Recyclingbranche befinde sich seit mehreren Jahren in einer angespannten Situation, da recyceltes Material unter anderem wegen der Wiederaufbereitungsschritte teurer ist. Die Corona-Pandemie habe zu einer dramatischen Verschärfung geführt. Hinzu komme jetzt, dass die Märkte für Rezyklate eingebrochen sind. Der Preis für Rohöl als Grundstoff für Kunststoffprodukte erreichten immer neue Tiefststände. Entsprechend werde Neuware immer billiger und die Preisdifferenz zu den Rezyklaten wachse weiter an. Die ZSVR kontrolliert die Recyclingquoten und schlägt Alarm: So könnten die vom Verpackungsgesetz vorgegebenen Recyclingquoten nicht eingehalten werden. Wenn die verantwortlichen Hersteller und Abfüller den Rezyklateinsatz nicht deutlich steigern, müsse der Gesetzgeber sie zwingen.

Gunda Rachut, Vorstand der ZSVR, zur aktuellen Krisensituation:„Im reinen Kostenvergleich ist Neu-Kunststoffware deutlich günstiger als der Einsatz von Recycling-Ware. Die aktuell geringe Nachfrage nach Kunststoff-Rezyklaten führt bei mehreren Recyclingbetrieben zur Existenzfrage. Dabei brauchen wir für die hohen Recyclingquoten ein Plus an Recyclinginfrastruktur, denn nur so kann CO2 eingespart werden. Doch angesichts der derzeitigen Lage gibt es keine Investitionen und Pioniere des Kunststoffrecyclings stehen vor dem Aus. Als klarer Weckruf: Die Hersteller müssen gegensteuern und die Lücken zügig schließen. Kostenargumente allein greifen deutlich zu kurz.“

Seit Inkrafttreten des Verpackungsgesetzes habe die ZVSR auf allen Stufen der Wertschöpfungskette innerhalb der Kreislaufwirtschaft deutlich positive Entwicklungen beobachtet. Diese reichten von wichtigen Etappenzielen über steigende Systembeteiligungsmengen und Registrierungen von Herstellern im Verpackungsregister LUCID bis zur Weiterentwicklung der technologischen Möglichkeiten von Anlagen, zum Beispiel um Wertstoffe besser zu sortieren. Auch mit Blick auf das Thema „Design for Recycling“ seien Fortschritte sichtbar.

Um die im Verpackungsgesetz festgelegten Anforderungen auf dem Weg zu einem funktionierenden Recyclingmarkt zu erreichen, müssten alle Akteure des Wertstoffkreislaufes jetzt noch enger zusammenarbeiten. Rachut appelliert an die Hersteller: „Das gesamte System steht vor einer Bewährungsprobe. Die Priorisierung der Circular Economy durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen der europäischen Ratspräsidentschaft unterstreicht die hohe Bedeutung des Themas: Die klimaneutrale und nachhaltige Ausrichtung forciert die Kreislaufwirtschaft auf EU-Ebene. Doch die Ratspräsidentschaft beginnt mit dem schweren ‚Corona-Rucksack‘, der möglicherweise auch ökonomische Opfer in der Recyclingbranche fordert. Hier sind von allen Beteiligten überdurchschnittliche Anstrengungen gefordert, die Recyclingziele auch tatsächlich zu erreichen.“

1 KOMMENTAR

  1. Mein Vorschlag, jedem Produkt einen ökologischen und sozialen Fußabdruck-von der Rohstoffgewinnung bis zum Recylcen mitzugeben und diesen zu bepreisen, würde das Problem ohne Zwang, Gestze – damit verbunden mit Trixereien und Kontrollen, von selbst lösen.
    Recyclate sind dann automatisch preiswerter wie die Neuherstellung.
    Was sich rentiert, wird gemacht-was sich nicht rentiert, wird sein gelassen oder erledigt sich von selbst!

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