Studie: Einstufung von Titandioxid mit weitreichenden Folgen

Kaum zu ersetzen, eine massive Einschränkung für die Produktqualität und Produktvielfalt, schlecht für etablierte Verwertungswege: So sieht das Fazit einer aktuellen Untersuchung der Kunststoffindustrie, der Pigmenthersteller und der Recycler aus, sollte der Weißmacher Titandioxid für die Kunststoffproduktion wegfallen.
Tim Reckmann, pixelio.de
Tim Reckmann, pixelio.de

Die Studie sei eine Reaktion auf die Pläne der Europäischen Kommission, Titandioxid als möglicherweise krebserzeugend einzustufen. Die Industrie sieht keinen Grund für eine solche Einstufung, da bestehende strenge Grenzwerte und Regularien den ordnungsgemäßen und sicheren Gebrauch von Titandioxid garantierten. Darüber hinaus hätten verschiedene epidemiologische Langzeit- studien keine Gesundheitsrisiken für Beschäftigte im Umgang mit dem Stoff feststellen können.

Das Weißpigment sei ein wichtiger Rohstoff für Farben, Kosmetika und Medikamente und hierzulande in nahezu allen verarbeiteten Kunststoffen enthalten, dabei in fast 50 Prozent mit Gehalten über einem Prozent. Ziel der Studie sei es gewesen, sowohl Fakten über die Verwendung von Titandioxid bei der Kunststoffverarbeitung in den unterschiedlichen Anwendungen zu erhalten als auch die Auswirkungen im Hinblick auf die Verwertung von Kunststoffabfällen zu ermitteln. Im Falle einer Einstufung könnten all diejenigen Kunststoffabfallströme, die mehr als ein Prozent Titandioxid enthalten, insbesondere aus dem Bau- und Abbruchbereich, zu gefährlichem Abfall werden. Die wesentlichen Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Für Kunststoffhersteller und -verarbeiter gebe es aufgrund seiner herausragenden technischen Eigenschaften derzeit keine Alternative zu Titandioxid.
  • Die aktuelle Befragung von Kunststoffverarbeitern stütze die bisherige Befürchtung, nach denen eine Einstufung zu einer massiven Einschränkung in der Anwendungsbreite von Kunststoffprodukten führen würde.
  • Kunststoffverpackungsabfälle, die über Leichtverpackungssysteme erfasst werden, könnten durch die Sortierung in einzelnen Kunststofffraktionen punktuell zu Titandioxid-Gehalten oberhalb von ein Prozent führen. Hiervon seien aktuell etwa 400.000 t Kunststoffe betroffen, die derzeit einem werkstofflichen Recycling zugeführt werden.
  • Im Baubereich seien insbesondere die heute fest etablierten Erfassungs- und Verwertungssysteme zum Beispiel für Fensterprofile betroffen; hier wiesen mehr als 90% Titandioxid-Gehalte von mehr als ein Prozent auf.
  • Am Beispiel der Abfallwirtschaft zeige sich, dass die möglichen Folgen einer Einstufung von Titandioxid als krebserregend konträr zur EU-Kunststoffstrategie stehen würden. So müssten Kunststoffabfälle, die mehr als ein Prozent Titandioxid enthalten, demnach künftig als gefährliche Abfälle behandelt und könnten nicht mehr wie bisher recycelt werden.

Die Studie lege dar, dass durch eine Einstufung von Titandioxid als Krebsverdachtsstoff insbesondere für Wirtschaft und Verwaltung mit nachteiligen Auswirkungen sowohl bei der Herstellung und Anwendung von Kunststoffprodukten als auch beim Recycling zu rechnen sei.

Die Studie wurde im Auftrag von PlasticsEurope Deutschland, AGPU, BDE, BKV, bvse, GKV und VDMI durch die Conversio Market & Strategy GmbH erstellt.

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