Verschwendete Potentiale beim Biomüll

In einem Pressegespräch kritisierte der bvse die nach wie vor nicht flächendeckende Getrenntsammlung der Gebietskörperschaften bei Biomüll und die abnehmende Qualität.
M.E., pixelio.de

Wie Andreas Habel im Rahmen eines Pressegesprächs berichtete, konnten die Verbandsmitglieder 2015 ihre Erfassungsmenge für biogene Abfälle um 3 Prozent steigern. Auch für 2016 erwarte man keine größere Steigerung, da immer noch viele Kommunen zögern würden, eine Biotonne für die privaten Haushalte einzuführen. Dadurch würde derzeit ein Potential von mindestens 1,4 Millionen Tonnen jährlich verschenkt, weil einige Gebietskörperschaften sich gegen die gesetzliche Pflichten der flächendeckenden Getrenntsammlung sperren würden, so Habel weiter.

Das Argumente der Gebietskörperschaften, dass Bioabfall weitgehend über eine Eigenverwertung genützt würden, ist aus bvse-Sicht nicht haltbar. Längst nicht alle Haushalte würden eine Eigenverwertung betreiben, selbst in ländlichen Gebieten sei der Trend eher rückläufig. Zudem zeigten Analyse, dass weiterhin eine hohe Menge Organik im Restmüll enthalten sei. Das Argument der steigenden Gebühren wurde als Begründung für einen Verzicht auf die Getrenntsammlung auch schon vom BMUB verworfen.

Die bvse-Unternehmen würden zudem einen kontinuierlichen Anstieg von Störstoffen im Biogut feststellen, führte Habel weiter aus. Die Menge sei in den letzten Jahren von 4 auf 10 bis 15 Gewichtsprozent angestiegen. „Eine Nachsortierung ist sehr aufwendig und macht die Verfahren teuer, sie kann daher nur eine Notlösung sein“, so Habel. Es sei die Aufgabe der Gebietskörperschaften, hier für Verbesserung zu sorgen, etwa durch Informationskampagnen.

Zudem stellten Dr. Thomas Probst vom bvse und Prof. Achim Loewen das Projekt NEWAPP vor, in dem Partner aus Belgien, Dänemark, Deutschland und Spanien die hydrothermale Carbonisierung („wässrige Verkohlung“) für die Nutzung des stofflichen Potentials von Biomasse weiterentwickeln wollen. Bei dem Verfahren wird Biomasse bei Temperaturen von etwa 200°C und unter Druck von bis zu 20 bar innerhalb kurzer Zeit in eine hochwertige, CO2-neutrale Biokohle um.

Die Biokohle kann einerseits zur Produktion von Strom und Wärme, möglichst in Kraft-Wärme-Kopplung verwendet werden. Sie ist andererseits aber auch ein idealer Grundstoff zur Herstellung von Biomethan zwecks Einspeisung ins Erdgasnetz, zur Produktion von Bio-Benzin oder als Rohstoff für Festbrennstoffzellen. Darüber hinaus kann mit dem HTC-Verfahren auch ein Humus-ähnliches Produkt erzeugt werden, das möglicherweise zur landwirtschaftlichen Bodenverbesserung verwendet werden kann.

„Gerade die HTC-Technik bietet dem Mittelstand eine neue Technologie zur breiten Nutzung von Biomasse. Die hierfür notwendigen Anlagen sind mittelstandsgerecht, bezogen auf deren Größe und den finanziellen Aufwand“, so Dr. Thomas Probst.

 

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