Eine aktuelle Auswertung von 53 Städten mit zusammen rund 22 Millionen Einwohnern zeigt erhebliche Unterschiede bei der kommunalen Erfassung von Elektroschrott. Gleichzeitig wird ein zentraler Rückgabeweg bislang kaum genutzt.
Kommunale Sammelstellen dominieren
Im Jahr 2024 wurden deutschlandweit 676.038 Tonnen Elektroaltgeräte erfasst. Davon entfielen 543.400 Tonnen auf kommunale Sammelstellen. Das entspricht 6,5 Kilogramm pro Kopf. Über den Handel und Hersteller wurden zusammen lediglich rund 132.600 Tonnen zurückgeführt.
Damit steht einer Tonne gesammeltem Elektroschrott etwa die vierfache Menge neu in Verkehr gebrachter Geräte gegenüber. Auch unter Berücksichtigung längerer Nutzungsdauern zeigt sich ein strukturelles Ungleichgewicht zwischen Input und Output.
Große Unterschiede zwischen Städten
Die Auswertung der Städte offenbart deutliche regionale Unterschiede bei den Pro-Kopf-Mengen. Während Baden-Baden mit 10,05 Kilogramm pro Einwohner den höchsten Wert erreicht, liegt Frankfurt am Main bei lediglich 3,18 Kilogramm.
In Großstädten bleibt das Sammelniveau insgesamt unterdurchschnittlich. Der Mittelwert liegt hier bei 4,51 Kilogramm pro Kopf. Nürnberg bildet mit 6,55 Kilogramm eine Ausnahme. Berlin erreicht 3,79 Kilogramm pro Kopf, erfasst aber aufgrund seiner Größe mit über 14.000 Tonnen die höchste absolute Menge.
Mittelstädte erzielen im Durchschnitt höhere Werte, weisen jedoch größere Spannweiten auf. Pforzheim liegt mit 8,91 Kilogramm deutlich vorne, während einzelne Städte unter zwei Kilogramm pro Kopf bleiben. In Kleinstädten werden teilweise die höchsten Sammelmengen erreicht.
Groß- und Kleingeräte mit niedrigen Rücklaufquoten
Großgeräte und Kleingeräte dominieren den Markt. Sie machen zusammen 81 Prozent der neu in Verkehr gebrachten Menge aus. Gleichzeitig zeigen sie die größten Defizite bei der Rückführung.
Bei Großgeräten wurden 2024 rund 1,68 Millionen Tonnen verkauft. Die erfasste Rückgabemenge lag bei etwa 180.000 Tonnen, was rund elf Prozent entspricht. Der überwiegende Teil wird über kommunale Sammelstellen entsorgt.
Kleingeräte erreichen mit etwa 32 Prozent eine höhere Sammelquote. Auffällig ist jedoch die Verteilung der Rückgabewege. Über 95 Prozent der erfassten Mengen werden über Recyclinghöfe abgegeben. Der Handel spielt mit einem Anteil von 4,6 Prozent nur eine untergeordnete Rolle.
Infrastruktur allein erklärt Unterschiede nicht
Die Analyse zeigt, dass die Dichte an Sammelstellen keinen direkten Zusammenhang mit der erfassten Menge hat. Städte mit vielen Rückgabestellen erreichen nicht automatisch höhere Sammelquoten. Umgekehrt erzielen Städte mit geringerer Infrastruktur teilweise bessere Ergebnisse.
Entscheidend sind offenbar andere Faktoren. Dazu zählen die Bekanntheit der Rückgabemöglichkeiten sowie deren einfache Nutzung im Alltag.
Niedrigschwellige Rückgabe als Hebel
Das bestehende System basiert auf der erweiterten Herstellerverantwortung. Hersteller organisieren die Abholung über die sogenannte Abholkoordination. Ergänzend stehen kommunale Sammelstellen, Händler und Direktvertrtriebe als Rückgabekanäle zur Verfügung.
Die Daten legen nahe, dass insbesondere der Handel stärker genutzt werden könnte. Die gesetzlich vorgeschriebene Rücknahme kleiner Geräte ohne Neukauf bleibt bislang weitgehend ungenutzt. Gerade bei Kleingeräten besteht hier ein erhebliches Potenzial zur Steigerung der Sammelmengen.
Nutzung bestehender Strukturen entscheidend
Die Untersuchung zeigt, dass die vorhandenen Rückgabestrukturen nicht ausgeschöpft werden. Während kommunale Sammelstellen den größten Teil der Mengen erfassen, bleibt der Beitrag des Handels gering.
Für eine höhere Erfassungsquote kommt es weniger auf den Ausbau der Infrastruktur an als auf deren Nutzung. Niedrigschwellige Angebote und bessere Information könnten dazu beitragen, mehr Elektroaltgeräte in die geregelte Entsorgung zu lenken.







