Im Anschluss forderte bvse-Hauptgeschäftsführer Eric Rehbock eine stärkere Verantwortung von Herstellern und Politik im Umgang mit falsch entsorgten Batterien.
Großbrand als Ausgangspunkt
Die intensiven Investitionen in den Brandschutz bei Korn Recycling gehen auf ein Ereignis aus dem Jahr 2009 zurück. Damals zerstörte ein Großbrand die Sortieranlage des Unternehmens vollständig. Seitdem richtet das Unternehmen seine Investitionen konsequent auf Maßnahmen zur Brandprävention und Betriebssicherheit aus.
Zunehmende Batterien im Abfall
Korn Recycling verarbeitet an seinen Standorten jährlich rund 330.000 Tonnen Abfälle im In- und Output. Die Sortieranlagen verfügen über eine genehmigte Inputmenge von 100.000 Tonnen pro Jahr. Trotz moderner Technik nahm die Zahl der Brandalarme in den vergangenen Jahren deutlich zu. Hintergrund ist die wachsende Menge an Geräten mit fest verbauten Lithium-Batterien sowie lose entsorgten Akkus im Abfallstrom. Batteriebrände gelten inzwischen als eines der zentralen betrieblichen Risiken der Recyclingwirtschaft.
KI-Röntgensystem zur Batterieerkennung
Als Reaktion installierte Korn Recycling im März 2025 gemeinsam mit dem Start-up WeSort.AI ein KI-gestütztes Röntgensystem zur automatischen Batterieerkennung im Abfallstrom. Die etwa 8,5 Meter lange Anlage kombiniert Röntgentechnologie mit künstlicher Intelligenz und identifiziert Lithium-Ionen-Akkus, Haushaltsbatterien oder elektronische Einwegprodukte auch dann, wenn sie im Material verborgen sind. Erkannte Batterien werden automatisch aus dem Stoffstrom ausgeschleust, bevor sie mechanisch beschädigt werden und sich entzünden können.
Tests zeigen Mengen an Batterien
Erste Testläufe im Juni 2025 verdeutlichten das Ausmaß der Batterien im Restabfall. In einem Versuch mit 81 Tonnen Inputmaterial innerhalb von drei Stunden identifizierte das System 28,5 Kilogramm Akkus und elektronische Komponenten. Ein weiterer Test mit 162 Tonnen Material über einen Zeitraum von 9,75 Stunden ergab 121 Kilogramm.
Im regulären Anlagenbetrieb entfernt das System durchschnittlich neun bis elf Kilogramm Akkus und Batterien pro Stunde aus dem Materialstrom. Auf einen Monat hochgerechnet entspricht dies rund 1,5 Tonnen Lithium-Ionen-Akkus, Batterien und vergleichbaren Geräten, die aus dem Abfallstrom separiert werden. Zusätzlich fallen im E-Schrott-Bereich etwa 40 Kubikmeter Batterien an, die anschließend gezielt dem Recycling zugeführt werden.
Rückgang der Brandalarme
Nach Angaben des Unternehmens hat sich die Zahl der Brandalarme deutlich reduziert. Während zuvor mehrere Meldungen pro Tag auftraten, wird aktuell etwa alle zwei Wochen ein Alarm ausgelöst. Das System erhöht damit die Sicherheit im Sortierprozess. Brände, die bereits auf Sammelfahrzeugen oder in Lagerbereichen entstehen, lassen sich durch diese Technik jedoch nicht verhindern.
Datenbasis für Herstellerverantwortung
Neben der erhöhten Betriebssicherheit liefert das System erstmals belastbare Daten zu Art und Menge von Batterien im Abfallstrom. Diese Informationen werden vom bvse in politischen Diskussionen über Produktdesign, Rücknahmesysteme und Herstellerverantwortung genutzt.
Darüber hinaus ergeben sich ökologische Effekte durch die gezielte Rückführung der separierten Batterien in spezialisierte Recyclingprozesse. Nach Unternehmensangaben ergibt sich daraus ein rechnerisches Einsparpotenzial von rund 4.700 Tonnen CO₂ pro Jahr.
Technologie für die Branche
Korn Recycling stellt die Technologie nach eigenen Angaben anderen Entsorgungsunternehmen zur Besichtigung zur Verfügung. Ziel ist es, die Anwendung solcher Systeme innerhalb der Branche zu verbreiten und damit die Betriebssicherheit in Recyclinganlagen zu erhöhen.
bvse fordert politische Maßnahmen
Der bvse sieht in technischen Lösungen einen wichtigen Baustein zur Reduzierung von Batteriebränden, bewertet sie jedoch nicht als alleinige Lösung. Brände entstehen häufig bereits während der Sammlung oder in Lagerbereichen, bevor Abfälle die Sortieranlagen erreichen.
Der Verband fordert daher zusätzliche politische Maßnahmen. Dazu gehört unter anderem die Prüfung eines Pfandsystems für Elektro- und Elektronikgeräte mit Lithium-Batterien. Aus Sicht der Branche lässt sich das Problem langfristig nur durch eine Kombination aus technischer Detektion, verbessertem Produktdesign, funktionierenden Rücknahmesystemen und einer stärkeren Herstellerverantwortung reduzieren.







