Die Tagung wird vom Deutschen Abbruchverband ausgerichtet und gilt als zentraler Treffpunkt der Abbruch- und Rückbaubranche im deutschsprachigen Raum. Neben Teilnehmern aus Deutschland nutzten auch internationale Fachbesucher die Veranstaltung zum Austausch über aktuelle Projekte, Verfahren und Entwicklungen im Bereich Rückbau und Stoffstrommanagement.
Rückbau als Bestandteil der Bauwirtschaft
Der Rückbau von Gebäuden und Anlagen ist zunehmend Teil einer umfassenderen Bau- und Immobilienwirtschaft. Aspekte wie CO₂-Bilanzierung, Materialverfügbarkeit und Dokumentationsanforderungen gewinnen im Zuge von ESG-Kriterien, EU-Taxonomie und regulatorischen Vorgaben an Bedeutung. Digitale Methoden und datenbasierte Planung können künftig dazu beitragen, Rückbauprozesse stärker in Planungs- und Wertschöpfungsketten der Bauwirtschaft einzubinden.
Digitale Zwillinge, Robotik und datenbasierte Analysen ermöglichen es, Gebäudebestände vor Beginn des Rückbaus detailliert zu untersuchen und verschiedene Rückbauvarianten zu simulieren. Dabei werden Materialströme und Stoffqualitäten bereits im Vorfeld bewertet. Automatisierte Systeme können zudem sicherheitskritische oder präzisionsintensive Arbeiten übernehmen.
Rückbau unter komplexen Rahmenbedingungen
Mehrere Beiträge der Fachtagung Abbruch 2026 beschäftigten sich mit Rückbauprojekten unter besonderen Rahmenbedingungen. Dazu zählen Arbeiten in industriellen Anlagen bei laufender Produktion, Rückbau in dicht bebauten innerstädtischen Bereichen oder Projekte mit erhöhten Anforderungen an Emissionsschutz und Baustellenlogistik.
Ein Beispiel bildete der selektive Rückbau eines ehemaligen Montagegebäudes im Werk der Mercedes-Benz AG in Sindelfingen. Das Projekt fand innerhalb eines weiterhin betriebenen Produktionsstandorts statt. Rückbauarbeiten mussten daher mit Werklogistik, Produktionsabläufen und Emissionsschutzmaßnahmen abgestimmt werden. Gleichzeitig sollten mineralische Baustoffe vor Ort aufbereitet und wiederverwendet werden.
Auch der Rückbau eines Kühlturms in Berlin-Lichterfelde verdeutlichte die Bedeutung standortabhängiger Verfahren. Aufgrund sensibler Infrastruktur im Umfeld wurde auf eine Sprengung verzichtet und ein abschnittsweiser Rückbau durchgeführt. Die Baustellensituation war durch begrenzte Flächen sowie die Nähe zum Teltowkanal geprägt.
Rückbau im regulierten Umfeld
Der Rückbau kerntechnischer Anlagen stellt besondere Anforderungen an Planung, Genehmigung und Dokumentation. Am Beispiel des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis wurden Verfahren zur Sanierung und Entsorgung asbesthaltiger Bauteile vorgestellt. Dabei spielen abgestimmte Vorgehensweisen zwischen Behörden, Planern und ausführenden Unternehmen eine zentrale Rolle. Probesanierungen, Messprogramme und messtechnische Begleitung sind Bestandteil solcher Projekte.
Auch der Umgang mit Asbest und anderen Gefahrstoffen im Bauwesen bleibt ein relevantes Thema. Änderungen der Gefahrstoffverordnung führen zu zusätzlichen Anforderungen an Anzeigeverfahren, Schutzmaßnahmen und Arbeitsorganisation beim Rückbau belasteter Bauteile.
Datenbasierte Analyse mineralischer Stoffströme
Die Qualität mineralischer Stoffströme ist ein entscheidender Faktor für die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen. Digitale Erfassungs- und Analysesysteme können dazu beitragen, Materialzusammensetzungen bereits während des Rückbaus genauer zu bestimmen. Multispektrale Sensorik in Kombination mit KI-gestützter Auswertung ermöglicht es, Stoffströme in Echtzeit zu analysieren und zu dokumentieren.
Auch bei der abfallrechtlichen Einstufung mineralischer Abfälle können digitale Systeme unterstützen. Durch die strukturierte Auswertung von Laboranalysen und den Abgleich mit relevanten Regelwerken lassen sich Klassifizierungsprozesse standardisieren und nachvollziehbar dokumentieren.
Elektrifizierung und neue Arbeitsmethoden
Ein weiterer Schwerpunkt der Fachtagung Abbruch 2026 lag auf der Elektrifizierung von Baustellen. In einem Pilotprojekt wurde ein Rückbauvorhaben vorgestellt, bei dem Maschinen, Aufbereitungstechnik und Logistik überwiegend elektrisch betrieben wurden. Ziel solcher Konzepte ist die Reduzierung von Emissionen sowie eine Verringerung von Transportaufkommen, insbesondere im innerstädtischen Umfeld.
Auch organisatorische Aspekte des Arbeitsschutzes wurden thematisiert. Digitale Werkzeuge können dazu beitragen, Sicherheitsprozesse auf Baustellen transparenter zu gestalten und Informationen für Beschäftigte leichter zugänglich zu machen.
Vielfalt der Rückbauprojekte
Das Vortragsprogramm der Fachtagung Abbruch 2026 verdeutlichte die Bandbreite der Branche. Themen reichten von industriellen Rückbauprojekten über Sprengtechnik bis hin zu datenbasierten Analyseverfahren und zirkulären Geschäftsmodellen im Bauwesen. Rückbauprojekte sind häufig durch unterschiedliche Rahmenbedingungen geprägt, etwa durch bestehende Infrastruktur, Gefahrstoffe, Verkehrsführung oder Anforderungen an Materialkreisläufe.
Gerade diese Vielfalt prägt die Praxis der Abbruch- und Rückbaubranche. Planungstiefe, technische Kompetenz und abgestimmte Prozesse sind zentrale Voraussetzungen, um Rückbauprojekte sicher und regelkonform umzusetzen.
Die nächste Fachtagung Abbruch findet am 5. März 2027 erneut in der STATION-Berlin statt.







