Stahlschrott leidet unter China

Der europäische Stahlschrott-Markt stand in den letzten Monaten vor besonderen Herausforderungen, erklärte Tom Bird, Präsidiumsmitglied der Stahlschrott-Sparte im BIR im Rahmen der Herbsttagung des Verbandes in Prag. Der Grund dafür sei im Wesentlichen die Menge von Exporte aus China.
Rainer Sturm, pixelio.de

Die inländischen Märkte in Europa hätten signifikante Rückgänge zu verzeichnen. Vor allem die italienischen und spanischen Stahlproduzenten täten sich im Wettbewerb mit billigeren Produkten aus China schwer, so Bird. Der schwache Markt wiederum führe dazu, dass die Recycler 30 bis 40 Prozent weniger Material erhalten.

Auch für die USA meldete Bird einen Rückgang bei Nachfrage und Preisen. Hinzu kämen zunehmende Importe und eine schwache Inlandsnachfrage. Derzeit würden die auf den Schrottplätzen eingehenden Mengen immer noch die Nachfrage der Stahlwerke übersteigen. Allerdings sei davon auszugehen, dass sich die Lage im Winter etwas beruhigen werde, so Bird.

Für Russland sei zu erwarten, dass bei einem weiteren Preisverfall die Exportmenge abnehmen werde, führte Bird weiter aus. In der Ukraine sei die erfasste Menge an Stahlschrott in den letzten 12 Monaten um 40 Prozent zurückgegangen. Einige Stahlwerke hätten die Produktion auf ein Minimum reduziert oder sogar vollständig eingestellt. Derzeit werden nur geringe Mengen exportiert und es sei nicht damit zu rechnen, dass sich dies bis Ende des Jahres ändern werde, so Bird weiter.

Die aktiven Märkte in Indien und Pakistan seien für die Exporteure in den letzten Monaten sehr hilfreich gewesen, erklärte Bird. Beide Länder hätten eine große Nachfrage.

Etwa die Hälfte der chinesischen Stahlexporte gingen nach Asien, führte Bird weiter aus, 30 Prozent alleine nach Südostasien. Diese Region würde ebenso wie Taiwan stark unter den Billigimporten aus China leiden. Der Export von Stahlschrott von den USA nach Taiwan sei zudem um 50 Prozent zurückgegangen.

Ein Umdenken in China sei dringend notwendig, so Bird. Es gäb erste Berichte, demzufolge die chinesischen Stahlwerke hohe Verluste machten. Es sei auf lange Sicht nicht möglich, zu den derzeitigen Preisen Stahl zu produzieren. Die Stahlwerke in China litten vor allem unter der schwachen Inlandsnachfrage aus dem Baubereich, der etwa die Hälfte des chinesischen Stahlmarktes ausmache. Es gäbe erste Zeichen, führte Bird weiter aus, dass China seine Geschäftsmodelle überdenke. Zudem würden zahlreiche Länder ihre bisher sehr nachgiebige Position gegenüber Importen aus China aufgeben.

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