Anzeige

Pyrolyseanlage für Polyurethan-Recycling geplant

Der Kunststoffhersteller Covestro und das Fraunhofer Umsicht haben eine Vereinbarung über den Aufbau und Betrieb einer Pilotanlage für das Pyrolyse-Recycling von Polyurethan-Abfällen geschlossen.
Pyrolyseanlage für Polyurethan-Recycling
Aus Hartschaum-Abfällen (rechts) wird ein Pyrolyseöl (2. von rechts) erzeugt. Hieraus wird Anilin in großer Reinheit extrahiert (3. von rechts), welches als Rohstoff für MDI eingesetzt wird. MDI ist der wichtigste Rohstoff für Polyurethan-Schäume. Copyright: Sabrina Bauer / Fraunhofer Umsicht
Anzeige

Die Anlage soll eine jährliche Behandlungskapazität von rund 2.000 Tonnen Polyurethan-Hartschaum erreichen und voraussichtlich 2028 in Betrieb gehen.

Die Anlage dient der technischen Skalierung eines Pyrolyseverfahrens zur Behandlung von End-of-Life-Hartschaum aus Kühlschränken sowie aus Bauanwendungen. Ziel ist die Rückgewinnung von Anilin als Rohstoff für die Herstellung von Methylendiphenyldiisocyanat. Das gewonnene MDI soll die gleichen Reinheitsanforderungen erfüllen wie konventionell hergestelltes Material. Nach Angaben der Projektpartner kann der CO₂-Fußabdruck des so erzeugten Produkts gegenüber fossilen Produktionsrouten um bis zu 40 Prozent reduziert werden.

Pilotmaßstab für chemisches Recycling

Im Rahmen der Kooperation bringt Fraunhofer Umsicht seine verfahrenstechnische Infrastruktur und Forschungserfahrung im Bereich Pyrolyse und chemisches Recycling ein. Die Pilotanlage ist darauf ausgelegt, jährlich rund 2.000 Tonnen End-of-Life-Schaum zu verarbeiten. Die daraus gewonnene Menge an Anilin würde rechnerisch ausreichen, um Dämmstoffe für etwa 200.000 Kühlschränke zu produzieren.

Der Prozess konzentriert sich auf Hartschaum aus PUR- und PIR-Dämmstoffen. Diese Materialien gelten aufgrund ihrer stark vernetzten Polymerstruktur als schwer mechanisch recycelbar. Die Pyrolysetechnologie zielt darauf ab, die chemischen Bindungen der Polymere aufzubrechen und die enthaltenen aromatischen Moleküle als Rohstoffe zurückzugewinnen.

Schritt zur industriellen Anwendung

Die geplante Anlage soll Prozessparameter im industriell relevanten Maßstab untersuchen und zudem Material für weitere Verarbeitungstests bereitstellen. Der Pyrolyseprozess liefert nach Angaben der Projektpartner Anilin mit einer Reinheit von etwa 99 Prozent. Dieses Zwischenprodukt kann anschließend in der MDI-Produktion eingesetzt werden.

Wachsender Bedarf an Recyclinglösungen

Der europäische Markt für MDI in Hartschaumanwendungen dürfte nach Branchenprognosen von rund 1,4 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf etwa 1,9 Millionen Tonnen im Jahr 2035 wachsen. Treiber dieser Entwicklung sind insbesondere Anwendungen in der Gebäudeisolierung sowie in der Kühlgeräteindustrie. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an End-of-Life-Lösungen für PUR- und PIR-Hartschaum.

Die Entwicklung der Pyrolysetechnologie ist Teil des europäischen Forschungsprojekts CIRCULAR FOAM, das von Covestro koordiniert wird und an dem 23 Partner aus Industrie und Forschung beteiligt sind. Nach Demonstrationsversuchen im Labor- und Mini-Pilotmaßstab soll die geplante Pilotanlage den Übergang zur industriellen Umsetzung vorbereiten.

Quelle: Fraunhofer Umsicht
Lesen, was die Branche bewegt
Newsletter
Bleiben Sie auf dem Laufenden und erhalten Sie einmal wöchentlich den RECYCLING magazin Newsletter.
Registrieren
Ich bin damit einverstanden, dass die DETAIL Architecture GmbH mir regelmäßig individualisierte spannende Neuigkeiten und Veranstaltungen per E-Mail zusendet. Die Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten erfolgt entsprechend den Bestimmungen in der Datenschutzerklärung. Ich kann meine Einwilligung gegenüber der DETAIL Architecture GmbH jederzeit widerrufen.
close-link