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Japanische Botschaft informiert sich beim bvse über Kunststoffrecycling und PPWR

Die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe stand im Mittelpunkt eines hochrangigen internationalen Fachgesprächs beim bvse-Fachverband Kunststoffrecycling. bvse-Referentin Anna Roeb begrüßte dazu Botschaftsrätin Hiroko Aotake sowie Forschungsbeauftragte Augo Miyama von der Japanischen Botschaft in Berlin.
Japanische Botschaft informiert sich beim bvse über Kunststoffrecycling und PPWR
Copyright: bvse
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Ziel des Treffens war ein intensiver Austausch über aktuelle regulatorische Entwicklungen, branchenspezifische Herausforderungen sowie nationale Strategien zur Förderung der Circular Economy.

Ein zentraler Schwerpunkt des Gesprächs lag auf der bevorstehenden europäischen Verpackungsverordnung (PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation). Die Vertreterinnen der japanischen Botschaft zeigten großes Interesse an der Rolle der Kunststoffrecyclingbranche in Deutschland sowie an den konkreten Herausforderungen bei der Umsetzung der neuen europäischen Vorgaben. Dabei wurde insbesondere thematisiert, wie gut die deutsche Recyclingindustrie bereits auf die künftigen Anforderungen vorbereitet ist und welche Rolle Branchenverbände wie der bvse bei der praktischen Umsetzung der regulatorischen Ziele spielen.

Die Diskussion machte zugleich deutlich, dass sich viele Unternehmen der Branche bereits intensiv mit den kommenden Rezyklateinsatzquoten auseinandersetzen. Zahlreiche Unternehmen führen derzeit Tests und praktische Versuche mit Rezyklaten durch, um ihre Produkte und Prozesse frühzeitig an die zukünftigen Anforderungen anzupassen und PPWR-konform zu gestalten.

Neben den regulatorischen Rahmenbedingungen wurde auch die aktuell angespannte wirtschaftliche Situation vieler Kunststoffrecycler in Deutschland und Europa offen angesprochen. Die Branche sieht sich derzeit mit mehreren strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Dazu zählen insbesondere stark gestiegene Energiepreise, umfangreiche bürokratische Anforderungen, anhaltend niedrige Preise für Kunststoff-Neuware sowie zunehmende Importmengen von Kunststoffen aus Drittstaaten. Diese Faktoren erschweren vielerorts wirtschaftlich tragfähige Recyclingprozesse und stellen die Unternehmen vor erhebliche Wettbewerbsprobleme.

Auch die japanische Perspektive auf die Entwicklung der Kunststoffkreislaufwirtschaft bot wertvolle Einblicke. In Japan ist das Kunststoffabfallaufkommen in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Als wesentliche Treiber dieser Entwicklung gelten mehrere politische Maßnahmen. Dazu gehört insbesondere die Weiterentwicklung des „Containers and Packaging Recycling Act“, der die Wiederverwertung von Verpackungsmaterialien systematisch stärkt. Ergänzend wurden gesetzliche Regelungen zur Wiederverwertung von Kunststoffressourcen eingeführt sowie Gebühren für Plastiktüten etabliert, die zu einem veränderten Verbraucherverhalten beigetragen haben.

Seit dem Jahr 2022 gilt in Japan zudem ein umfassendes Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe. Dieses Gesetz verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz entlang des gesamten Lebenszyklus von Kunststoffprodukten. Dabei werden sämtliche relevanten Akteursgruppen – von Herstellern über Recycler bis hin zu Verbrauchern – in Maßnahmen zur Förderung von Abfallvermeidung, Recycling und dem Einsatz von Rezyklaten eingebunden. Der Ansatz orientiert sich an den Leitprinzipien „Reduce, Recycle & Recycled Materials“.

Darüber hinaus existieren in Japan sogenannte „Design for the Environment“-Leitlinien, die vergleichbar mit dem europäischen Konzept des Design for Recycling sind. Ziel dieser Vorgaben ist es, Produkte bereits in der Entwicklungsphase recyclinggerecht zu gestalten und so eine effizientere Wiederverwertung zu ermöglichen. Seit 2025 ergänzt Japan diese Maßnahmen zudem durch finanzielle Förderprogramme für Unternehmen, die moderne Recyclinganlagen installieren oder innovative Recyclingverfahren erproben.

Das Treffen unterstrich die Bedeutung internationaler Kooperationen für die Weiterentwicklung nachhaltiger Kreislaufwirtschaftssysteme. Beide Seiten betonten den hohen Wert des gegenseitigen Erfahrungsaustauschs, insbesondere vor dem Hintergrund zunehmender globaler Herausforderungen im Umgang mit Kunststoffabfällen und Ressourcenschonung.

Der bvse wertete den Besuch als wichtigen Beitrag zur Stärkung des internationalen Dialogs zwischen Politik, Wissenschaft und Recyclingwirtschaft. Der Verband sieht in der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern eine wesentliche Grundlage, um nachhaltige Lösungen für die Transformation hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft weiter voranzutreiben.

Quelle: bvse
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