Urban Mining in Keller und Abstellkammer

Die österreichischen Abfallwirtschaftsbetriebe rufen die Bevölkerung zum Ausmisten auf. Durch das Aufbewahren alter Kleidung oder Handys, die nicht mehr gebraucht werden, entgingen der Kreislaufwirtschaft Rohstoffe, besagt eine aktuelle VOEB-Studie.
Alte Handys stellen eine wertvolle Rohstoffquelle dar.
(Quelle: Unsplash, Eirik Solheim)

Nicht nur rund um Weihnachten werden zu Hause viele Gegenstände obsolet, weil sie durch neue ersetzt wurden. Doch was passiert damit? In einer repräsentativen Studie im Auftrag des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB) bestätigen 90 Prozent der Befragten, es sei wichtig, alle Gegenstände, die nicht mehr benötigt werden, korrekt zu trennen, zu entsorgen und anschließend zu recyceln. Das sei aus Platzgründen wichtig (47 %), im Sinne einer ökologischen Kreislaufwirtschaft (45 %) sowie als Beitrag für den Umweltschutz (38 %) und zur Einsparung von Energie (36 %) relevant. In der Praxis trennen sich laut VOEB aber nur 20 Prozent der Österreicher*innen konsequent von allem, was sie nicht mehr benötigen. Vier von zehn Befragte horten demnach zu Hause nicht mehr benötigte Handys.

„Gegenstände wie Mobiltelefone beinhalten wertvolle Altstoffe, die wir durch Recycling verwerten könnten“, sagt Gabriele Jüly, Präsidentin des VOEB. „Sie werden dann als sogenannte Sekundärrohstoffe in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückgeführt und bilden eine wichtige Ressource für die Herstellung neuer Produkte.“ Deshalb rufe der VOEB alle Österreicherinnen und Österreicher dazu auf, nicht mehr benötigte Gegenstände in die getrennte Sammlung bzw. in entsprechende Altstoffsammelzentren zu bringen.

Die Studie besagt, dass die junge Gen Z eher zum Horten tendiert als die Baby Boomer. Während nur 12 Prozent der Jüngeren alles, was nicht mehr benötigt wird, auch tatsächlich entsorgten, bestätigten das doppelt so viele ältere Befragte (24 %). Von den Digital Natives würden vor allem elektronische Geräte wie Laptops oder PC-Zubehör (36  %), Computerspiele (29 %) und Spielkonsolen (26 %) aufgehoben, Baby Boomer trennten sich nur von Textilien wie Bettwäsche oder Tischtücher schwerer (32 % vs. 20 % Jüngere).

Jeder zweite Österreicher hat ein unbenutztes Smartphone zuhause

Egal ob nach Weihnachten oder nach dem Release einer neuen Version – Smartphones werden oft ersetzt, aber selten entsorgt. In Handys stecken jedoch wertvolle Stoffe wie Silber, Platin, Kupfer, Palladium, Tantal und Seltene Erden. Werden Smartphones und Handys recycelt, ermöglicht dies, 80 % des Materialwerts zu erhalten. Erfreulich ist, dass jeder zweite Befragte alte Handys über Sammelaktionen spendet. Knapp 38 % heben noch funktionierende Smartphones für Notfälle auf, weitere 20 % vergessen kaputte oder alte Handys in der Schublade.

Studie zeigt Intentions-Verhaltens-Lücke bei Recycling auf

Bei der Intentions-Verhaltens-Lücke handeln Menschen konträr zu ihrer Einstellung. So belegt die Studie zwar deutlich, dass Recycling wichtig ist – neun von zehn Österreicherinnen und Österreicher sind sich darüber einig. Doch nur 20 % entsorgen regelmäßig alte Gegenstände und ermöglichen so echte Kreislaufwirtschaft. „Das ist zutiefst menschlich“, erklärt Jüly. „Der sogenannte Attitude Behaviour Gap umschreibt die Tatsache, dass es nicht immer einfach ist, im Einklang mit den eigenen Idealen zu leben. Wer sich dazu motivieren kann, soll den Jahreswechsel ganz einfach zum Anlass nehmen, um sich von alten Gegenständen zu trennen. Egal ob man sie nun spendet, verkauft, entsorgt oder sich etwas dazu verdient. Das wäre definitiv ein sinnvoller Neujahrsvorsatz.“

Werden alte Produkte recycelt, geschieht das laut Umfrage aus unterschiedlichen Gründen. Diese können persönlicher Natur sein (mehr Platz, sich befreit fühlen), einen finanziellen Hintergrund haben (Energie sparen) oder um der Umwelt etwas Gutes zu tun (Ressourcen schonen). Nicht unwesentlich ist aber bei vielen Haushalten auch die Sicherheitsfrage, denn wer Produkte mit eingebauten Lithiumbatterien hortet, lebt im wahrsten Sinn des Wortes brandgefährlich. Denn insbesondere alte Lithium-Akkus neigen bei Reibung zu hochriskanten Explosionen.

Smartphones im Restmüll ist ein No-Go

Fünf Prozent der Befragten Millennials geben an, alte Handys im Restmüll zu entsorgen. Jüly warnt eindringlich: „Das ist schlichtweg erschreckend und nicht nur eine Gefahr für jeden zu Hause, sondern auch für die Abfallwirtschaftsunternehmen, denn beim Transport oder den Recycling-Prozessen und -Vorgängen können Reibungen entstehen, die gefährliche Explosionen und Brände auslösen.“ Egal ob in Spielzeugen, Laptops, Smartphones oder E-Zigaretten – die Brandteufel verstecken sich überall. „Geräte mit Lithiumbatterien dürfen ausschließlich im Handel oder bei Altstoffzentren entsorgt werden“, so Jüly.

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