Im Fokus: Aluminium

Wenn über ein Metall in dieser doch recht ruhigen Sommerpause gesprochen wird, dann ist das Aluminium. Der Markt ist einerseits durch die Trumpschen Sanktionen in Unruhe geraten, andererseits gibt es widersprüchliche Prognosen über Angebot und Nachfrage.
I. Friedrich, pixelio.de

Die Aluminiumnotierungen an der Londoner Metallbörse liegen noch über 2.000 US-Dollar, Analysten scheuen sich aber derzeit mit Prognosen über die Entwicklung in den kommenden Monaten auf den Markt zu gehen. Zuletzt (7. August) wurde HG Aluminium mit 2026 bis 2626,50 US-Dollar für prompte Ware bewertet, die Legierungen mit 1.690 bis 1.700 US-Dollar.

Der Aluminiumkonzern Norsk Hydro wagt zumindest eine Prognose über die Verfügbarkeit des Leichtmetalls: Das Unternehmen sieht einen geringeren globalen Produktionszuwachs als ursprünglich erwartet und erwartet deshalb für das laufende Jahr ein spürbares Defizit auf dem Weltmarkt für Primäraluminium. Auf der anderen Seite prognostiziert Hydro ein globales Nachfragewachstum von etwa vier bis fünf Prozent. Dass der Markt für Bauxit eng ist, beobachten Analysten schon eine ganze Zeit. Ein Grund hierfür ist der zum Teil sehr umweltbelastende Bauxitabbau in einigen Teilen der Welt. So hat das wichtige Produzentenland Malaysia schon für zwei Jahren aus Umweltgründen den Abbau von Bauxit verboten. Noch werden, so ist zu hören, inländische Lagerbestände abgebaut, dann aber könnte es eng auf dem Markt werden.

Der russische Mitbewerber Rusal sieht die Lage ähnlich. Sowohl bei Primäraluminium, als auch bei Tonerde – dem Rohstoff zur Herstellung von Aluminium – habe es im ersten Halbjahr 2018 Lieferengpässe gegeben. Eine spürbare Steigerung der Produktion sehe man dagegen nicht. Rusal ist seit geraumer Zeit Opfer der US-amerikanischen Sanktionspolitik. Dies könnte sich aber, so war in den letzten Tagen zu hören, nun recht schnell ändern. Offenbar gibt es fruchtbare Verhandlungen mit dem amerikanischen Finanzministerium das wohl betont hat, man wolle Rusal nicht aus dem Markt verdrängen. Es scheint, als würde die US-Administration nun doch endlich begreifen, dass man mit der Sanktionspolitik auch dem eigenen Land schweren Schaden zufügt.

Pläne für Produktionserweiterungen gibt es offenbar weltweit, fraglich ist aber, was davon letztlich auch realisiert wird. Vieles wird von der weiteren Preis- beziehungsweise Marktentwicklung abhängen. Eine polnische Fachzeitschrift berichtete unlängst, eine Umfrage unter polnischen Herstellern habe ergeben, dass man die Produktion im Aluminiumbereich kräftig steigern wolle. Solange aber die Auswirkungen der US Sanktionspolitik noch nicht final absehbar sind, werden kluge Investoren sich in Zurückhaltung üben.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Meldung des Aluminiumproduzenten Alcoa. Danach sind bestimmte Aluminiumlegierungen in den Vereinigten Staaten aufgrund der Sanktionen kaum oder gar nicht mehr erhältlich. Das Unternehmen beantragte nun dem Vernehmen nach bei den zuständigen US-Behörden, eine Ausnahmegenehmigung für aus Kanada importiertes Aluminium zu erhalten.

Die deutschen Aluminiumproduzenten sind weiterhin zufrieden. Die Auftragslage ist ausgezeichnet, der Absatz fast ein Selbstläufer. Verhalten ist dagegen die Stimmung im Handel. Rund die Hälfte der Aluminiumhändler erwartet in den kommenden Monaten fallende Notierungen an der LME. Auch die Händler von Aluminiumhalbzeug sind skeptisch. Die Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs sei vorbei, rund 35 Prozent der in einer Umfrage befragten Unternehmen erwarten eine Abkühlung der Konjunktur für den Aluminiumhalbzeughandel.

Die Preise für Aluminiumlegierungen lagen Anfang August bei 2.410 bis 2.510 Euro für die Legierung 226 und 2.470 bis 2.570 Euro für die Legierung 311. Hüttenaluminium wurde zwischen 1.950 und 2.210 Euro gehandelt. Drahtschrott aus Reinaluminium (Achse) erzielte 1.660 bis 1.800 Euro, Aluminiumschrott (alter) 1.710 bis 1.810 Euro und Neuer Alu-Leg.Schrott kupferarm (Angel) 1.380 bis 1.460 Euro.

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