Kreislaufwirtschaft in Sachsen wichtiger Wirtschaftsfaktor

Bei einem Besuch mehrerer Unternehmen hat sich Umweltminister Thomas Schmidt über die Leistungen der sächsischen Kreislaufwirtschaftsbranche informiert.
Kreislaufwirtschaft
Recycling

Mehr als 160 Unternehmen werden im Freistaat Sachsen diesem Wirtschaftszweig zugerechnet. Sie beschäftigen fast 9.000 Mitarbeiter. Dabei werden einige Unternehmen, die Abfälle annehmen und ausschließlich aus diesen zum Beispiel Stahl oder Papier herstellen, wegen statistischer Grundsätze noch nicht einmal mitgezählt.

„Trotzdem zeigen die Daten sowohl in Bezug auf die Zahl der Beschäftigten als auch auf die Höhe der gezahlten Entgelte und der erzielten Umsätze, dass die Kreislaufwirtschaft eine bedeutende Wirtschaftskraft repräsentiert. Sie ist in Sachsen volkswirtschaftlich bedeutender als der Bergbau“, so der Minister. „In der Kreislaufwirtschaft geht es längst nicht mehr nur darum, Verbraucher und Wirtschaft von lästigen Abfällen zu befreien. In Sachsen hat sich die Kreislaufwirtschaft zu einem wichtigen Produzenten von Sekundärrohstoffen und einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. In einigen Bereichen wie der Stahl-, der Papier- und der Behälterglasindustrie gelingt es sogar, die Stoffkreisläufe nahezu oder vollständig zu schließen.“

„Hier steckt aber auch erhebliches Potenzial für weitere Innovationen. Bisher wird ein zu großer Anteil von Kunststoffabfällen thermisch verwertet – also verbrannt. Das ist unbefriedigend. Ziel muss es sein, einen größeren Anteil stofflich zu verwerten, also aus Kunststoffabfällen wieder neue Kunststoffe herzustellen“. Entsprechende Forschungsprojekte laufen auch in Sachsen. So entwickelt die TU Bergakademie Freiberg ein Verfahren, bei dem in einer Pilotanlage aus Kunststoffabfällen Synthesegase erzeugt werden, aus denen neue Kunststoffe hergestellt werden können, aber auch Medikamente, Kraftstoffe oder Düngemittel. Solche Verfahren eröffnen auch neue Möglichkeiten bei der stofflichen Nutzung von Kohle.

Großes Potenzial bestehe auch bei der Aufbereitung von Klärschlämmen. „Bis zu 40 Prozent des in Deutschland eingesetzten Phosphor-Mineraldüngers könnte durch Recycling ersetzt werden und so teure Importe und umweltbelastende Phosphorgewinnung in Nordafrika überflüssig machen. Voraussetzung sind geeignete Verfahren. In Sachsen werden sie erprobt. Auch hier ist die TU Bergakademie Freiberg ein Vorreiter. Bereits im vergangenen Dezember konnte ich dort dabei sein, als eine entsprechende Anlage in Betrieb genommen wurde“, betonte Schmidt.

Wichtig sei es, neu entwickelte Verfahren schnell in die Praxis zu überführen. Das sei auch Anliegen der Zukunftsinitiative simul+, die das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft vor knapp zwei Jahren gestartet hat. In diesem Rahmen wurde auch das Verfahren zur Klärschlammaufbereitung erstmals in der Öffentlichkeit präsentiert.

Beim heutigen Besuch des Ministers bei der Mülsener Rohstoff- und Handelsgesellschaft mbH (MRH) wurde über die stoffliche Verwertung von Altreifen informiert. Vorwiegend Reifen von Lastkraftwagen werden dort zu Gummigranulaten und Gummimehlen verarbeitet. Diese finden dann als Einstreugranulate für Kunstrasensysteme sowie im industriellen Bereich verschiedene Anwendungsfelder. Pro Jahr werden so etwa 350.000 Altreifen verwertet. Diese aneinandergelegt ergeben eine Altreifenkette die auf der Straße von Berlin bis Prag reichen würde.

Weitere Station war die Nickelhütte Aue GmbH (NHA). Im Unterschied zu der erst nach der Wende gegründeten MRH hat sich die NHA aus einer fast 400-jährigen Tradition als Hüttenbetrieb entwickelt. Das Unternehmen löst unterschiedliche Recyclingaufgaben. Insbesondere werden aus Galvanikschlämmen und Rückständen der Metallverarbeitung im Schmelzbetrieb Nichteisen-Metallkonzentrate hergestellt, um sie in nachfolgenden Prozessen zu Nickel-, Kupfer-, Kobalt- und Vanadium-Chemikalien zu veredeln. Die Verwertung erfolgt dabei nahezu vollständig, ohne dass dabei Reste aus den Prozessen auf Deponien entsorgt werden müssen.

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