WSM: Steigende Stahlpreise belasten Stahlverarbeiter

Die Unternehmen der Stahl verarbeitenden Industrie seien derzeit mit dramatisch steigenden Stahlpreisen konfrontiert, so der Wirtschaftsverband Stahl- und Metallverarbeitung (WSM).
Marcel Klinger, pixelio.de

In den vergangenen Wochen sei es bei fast allen Stahlerzeugnissen zu einer regelrechten Preisexplosion gekommen. „Unsere Unternehmen haben einen Materialkostenanteil von durchschnittlich 60% und werden daher mit voller Wucht von dieser Entwicklung getroffen. Nicht nur die Erträge, sondern auch die kurzfristige Liquidität sind bedroht“, so WSM-Hauptgeschäftsführer Christian Vietmeyer.

Die Höhe und Schnelligkeit des Stahlpreisanstiegs überrasche viele Unternehmen. „Häufig wird über die weltweiten Überkapazitäten und die Krise am Stahlmarkt gesprochen, da passen durch die Decke schießende Stahlpreise erst einmal nicht ins Bild – trotzdem sind sie Realität für Stahlverarbeiter auf der ganzen Welt“, betont Vietmeyer.

Am stärksten betroffen seien Flachstahlerzeugnisse wie Bleche. Am Spotmarkt koste das Re-ferenzprodukt Warmbreitband aktuell um die 570,- € pro Tonne – vor einem Jahr habe der Preis noch bei etwa 330,- € pro Tonne gelegen. Vor allem ab November 2016 seien die Preise steil gestiegen und hätten mittlerweile den höchsten Stand seit 2011 erreicht.

Anfang des Jahres 2017 habe der Anstieg zwar etwas an Dynamik verloren, in den ersten Wochen des Jahres zeige die Preiskurve aber weiter nach oben. Wie lange die Preise noch steigen werden, sei offen.

Aber auch bei Langprodukten wie zum Beispiel Walzdraht seien die Preise gegenüber dem Vorjahr kräftig gestiegen. Preiserhöhungen im dreistelligen Eurobereich seien keine Seltenheit. Die vom Statistischen Bundesamt ermittelten Erzeugerpreise für Walzstahl lagen im Januar um 15% über dem Vorjahr und hätten den höchsten Stand seit 2014 erreicht. „Dies zeigt, dass Stahl auf breiter Front teurer geworden ist“, so Vietmeyer.

Die Gründe für den Preisanstieg seien vielfältig und gehen überwiegend vom Weltmarkt aus. Für die Stahlverarbeiter in Deutschland gebe es daher keine Ausweichmöglichkeit. Der wichtigste Auslöser seien die gegenüber den Vorjahren deutlich erhöhten Preise der für die Stahlerzeugung wichtigen Rohstoffe. Die Preise für Kokskohle habe sich 2016 mehr als vervierfacht. Die Preise für Eisenerz hätten sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und notieren aktuell auf einem Zweieinhalbjahreshoch.

Neben den Preisen sei bei einigen Stahlerzeugnissen auch die Versorgung zu einem Problem geworden. Am EU-Markt werde zum Beispiel bei verzinkten Blechen schon seit Monaten über lange Lieferzeiten und Versorgungsprobleme berichtet. Aufgrund von Antidumpingmaßnah-men der EU machten sich zudem viele Markteilnehmer Sorgen, dass sich die Situation wegen ausbleibender Importmengen in den kommenden Monaten noch verschärfen könnte.

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