Gesundheit als weiterer Nutzen
Kreislaufwirtschaft galt lange vor allem als Instrument des Umwelt- und Ressourcenschutzes. Im Mittelpunkt standen weniger Abfall, ein geringerer Rohstoffverbrauch und niedrigere Kohlendioxid-Emissionen. Inzwischen gewinnt auch die wirtschaftliche Bedeutung an Gewicht. Geschlossene Stoffkreisläufe können Lieferketten stabilisieren, Importabhängigkeiten verringern und Unternehmen widerstandsfähiger gegenüber geopolitischen Risiken machen.
Eine Kurzstudie des Kompetenznetzwerks Umweltwirtschaft Nordrhein-Westfalen zeigt zudem die wirtschaftliche Relevanz. Demnach arbeiten mehr als 241.000 Menschen in Nordrhein-Westfalen in Bereichen der Kreislaufwirtschaft. Rund 108.000 Beschäftigte entfallen auf die Verlängerung der Produktlebensdauer, rund 83.000 auf Recycling und rund 50.000 auf intelligente Produktnutzung und -herstellung.
Weniger Rückstände im Wasser
Bei der Kuratoriumssitzung der Circular Valley Stiftung mit Nordrhein-Westfalens Umweltminister Oliver Krischer, Vertretern weiterer Landesministerien und Stiftungspartnern rückte ein weiterer Aspekt in den Mittelpunkt: Kreislaufwirtschaft kann die öffentliche Gesundheit unterstützen.
Das zeigt sich unter anderem bei Arzneimittelrückständen. Wenn pharmazeutische Stoffkreisläufe konsequenter geschlossen werden, gelangen weniger Wirkstoffe und Abbauprodukte in die Umwelt. Das Umweltbundesamt wies für das Jahr 2020 in Deutschland 414 Arzneimittelwirkstoffe einschließlich ihrer Abbauprodukte in Gewässern nach. Das waren 145 mehr als 2016.
Kunststoffe im Kreislauf halten
Auch Kunststoffe stehen im Fokus. Mikroplastik gelangt über Gewässer und Böden in Lebensmittel und damit in den menschlichen Körper. Eine 2025 in „Nature Medicine“ veröffentlichte Studie der University of New Mexico stellte fest, dass die Mikroplastik-Konzentration im menschlichen Gehirn zwischen 2016 und 2024 um rund 50 Prozent gestiegen ist. Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland gelangen in Deutschland jährlich mindestens 300.000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt.
Kunststoffe im Kreislauf zu führen, kann diese Einträge verringern. Entscheidend sind langlebige Produkte, bessere Sammlung, hochwertiges Recycling und ein Produktdesign, das Wiederverwendung und Verwertung erleichtert.
Zirkuläres Bauen und Innenräume
Auch im Bauwesen verbindet Kreislaufwirtschaft Ressourcenschutz mit Gesundheitsfragen. Zirkuläres Bauen setzt auf langlebige, gut trennbare und bewährte Materialien. Dazu zählen Holz, Naturstein und Lehm. Der Ansatz kann helfen, problematische Verbundwerkstoffe zu vermeiden und die Materialtransparenz in Gebäuden zu erhöhen.
Erfahrungen mit Baustoffen wie Asbest zeigen, dass gesundheitliche Risiken oft erst spät erkannt werden. Deshalb gewinnen nachvollziehbare Materialströme, Schadstoffvermeidung und Rückbaufähigkeit an Bedeutung.
Ganzheitlicher Ansatz
Die Kuratoriumssitzung verdeutlichte damit eine erweiterte Rolle der Kreislaufwirtschaft. Sie adressiert ökologische und wirtschaftliche Fragen, betrifft aber ebenso Gesundheit und Lebensqualität. Weniger Schadstoffe im Wasser, geringere Kunststoffeinträge und gesündere Baustoffe zeigen, dass Kreislaufwirtschaft auch ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit sein kann.







