Dies gilt trotz politischer Zielsetzungen zur Defossilisierung der europäischen Wirtschaft. Der Bericht analysiert konkrete regulatorische Hemmnisse, ordnet sie den jeweiligen Rechtsakten zu und erläutert deren Auswirkungen auf Investitionen und Marktentwicklung. Zugleich formuliert die Studie Ansatzpunkte für anstehende Gesetzesrevisionen auf europäischer Ebene.
Der Hintergrundbericht mit dem Titel „Policy Barriers for Renewable Carbon Uptake“ basiert auf einer Befragung von Mitgliedsunternehmen der RCI. Er identifiziert zehn politische Hemmnisse innerhalb von sieben zentralen EU-Regelwerken, darunter das EU-Emissionshandelssystem, die Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III, die neue Verpackungsverordnung PPWR sowie die Einwegkunststoffrichtlinie SUPD. Nach Einschätzung der Autoren verzögern diese Regelungen den Übergang von fossilen zu biobasierten, CO₂-basierten und recycelten Kohlenstoffquellen in der chemischen Industrie und angrenzenden Materialmärkten.
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist das Vorliegen regulatorischer Ungleichgewichte. Für biobasierte Produkte gelten in mehreren Rechtsakten strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitsnachweise als für fossile Alternativen. Gleichzeitig beeinflussen Fördermechanismen für Biokraftstoffe die Rohstoffmärkte zulasten stofflicher Anwendungen. Hinzu kommt eine erhebliche Unsicherheit für Investitionen in Carbon Capture and Utilisation. Die zeitlich begrenzte Anerkennung von aus fossilen Quellen gewonnenem CO₂ führt zu Investitionszeiträumen, die nicht mit industriellen Finanzierungszyklen vereinbar sind. Dies kann dazu beitragen, dass CCU-Projekte verzögert oder nicht umgesetzt werden, obwohl sie für klimaneutrale Wertschöpfungsketten, insbesondere in emissionsintensiven Industrien, von Bedeutung sind.
Darüber hinaus kritisiert die Studie veraltete und zu eng gefasste Definitionen in mehreren Regelwerken. Im Emissionshandelssystem und in der Verpackungsverordnung schließen bestehende Begriffsbestimmungen ganze Gruppen innovativer Produkte von Anreizen oder Marktzugang aus. Besonders relevant ist die Beschränkung von CCU-Anwendungen im Emissionshandel auf Produkte mit sehr langer Lebensdauer. Dadurch bleibt der Beitrag von CCU zur zirkulären Substitution fossiler Rohstoffe unberücksichtigt, ebenso wie die Rolle des Recyclings zur Aufrechterhaltung von Stoffkreisläufen.
Auch Klassifizierungen in der Einwegkunststoffrichtlinie und der Verpackungsverordnung werden als problematisch bewertet. Die Definition des natürlichen Polymers in der SUPD schließt industriell hergestellte, naturidentische Polymere aus. Gleichzeitig fasst der Anhang der PPWR biologisch abbaubare Kunststoffe unabhängig von tatsächlicher Abbaubarkeit oder Recyclingfähigkeit zusammen. Nach Einschätzung der Studienautoren kann dies zu Unsicherheiten entlang der Wertschöpfungsketten führen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit regulatorischer Vorgaben. Die Studie verweist auf einen zunehmenden administrativen Aufwand, der nicht immer mit den Realitäten industrieller Produktionsprozesse vereinbar ist. Die werk- und produktspezifische Berechnung von Mindestanteilen an Post-Consumer-Rezyklaten bindet demnach Ressourcen, die für den Ausbau von Rezyklateinsatz und Recyclingkapazitäten benötigt würden. Regulatorische Instrumente sollten so ausgestaltet sein, dass sie Transformation ermöglichen, ohne unverhältnismäßige Verwaltungslasten zu erzeugen.
Als übergeordnetes Problem benennt der Bericht das Fehlen eines konsistenten Förderrahmens für erneuerbaren Kohlenstoff in der Chemie- und Materialwirtschaft. Nach Auffassung der RCI-Mitglieder mangelt es bislang an klar definierten Zielen und Anreizen für den Einsatz erneuerbarer Kohlenstoffquellen außerhalb des Energiesektors. Die Studie empfiehlt unter anderem eine Überarbeitung restriktiver Definitionen, eine differenziertere Behandlung von CCU-Quellen, eine Reduzierung administrativer Komplexität sowie eine stärkere Angleichung von Nachhaltigkeitsanforderungen über unterschiedliche Anwendungen und Kohlenstoffherkünfte hinweg.







