Schweizer Müllverbrenner wollen klimaneutral werden

Die 29 Müllverbrennungsanlagen in der Schweiz wollen durch CO2-Abscheidungen ihre Emissionen reduzieren.
Dieter Schütz; pixelio.de

Der Branchenverband VBSA hat mit dem Eidgenössischen Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Er verpflichtet sich, langfristig in Forschung und Entwicklung der Schlüsseltechnologie „Carbon Capture“ zu investieren und spätestens 2030 die erste CO2‐Abscheidungsanlage in Betrieb zu nehmen.

Die Klimaziele des Bundesrats sehen vor, dass die Schweiz ab 2050 nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstößt, als durch natürliche und technische Speicher aufgenommen werden. Den Müllverbrennungsanlagen komme dabei eine wichtige Rolle zu. Sie seien für 5 Prozent der gesamten CO2‐Emissionen der Schweiz verantwortlich. Neue Technologien würden es aber in der Zukunft erlauben, bei der Abfallverbrennung entstehendes CO2 abzuscheiden und dauerhaft zu speichern. Damit würden die CO2‐Emissionen der MVAs auf null sinken. Die Abscheidung der Emissionen aus dem biogenen Anteil des Abfalls (Altholz) führten bei dauerhafter Speicherung zudem zu einer Reduktion der CO2‐Konzentration in der Atmosphäre (negative Emissionen).

Um das Netto‐Null Ziel zu erreichen, müssten Technologien zur Abscheidung und Speicherung von CO2 (Carbon Capture and Storage, kurz CCS) zum Einsatz kommen. Insbesondere sollen längerfristig alle MVAs mit Carbon Capture ausgerüstet sein. Gleichzeitig müsse die sichere und dauerhafte Speicherung von mehreren Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sichergestellt werden.

In der Vereinbarung verpflichten sich die Abfallverwerter, jährlich 1 Million Franken in CCS‐Technologien zu investieren. Zudem verpflichtet sich der Verband, bis spätestens 2030 eine erste Abscheideanlage mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen CO2 in Betrieb zu nehmen. Im Gegenzug nehmen die MVAs weiterhin nicht am Emissionshandelssystem teil. Der VBSA und das UVEK haben sich auf einen Fahrplan mit konkreten jährlichen Meilensteinen geeinigt.

Bevor die erste Abscheideanlage bei einer KVA in Betrieb geht, muss die CCS‐Technologie weiterentwickelt und an die spezifischen Rahmenbedingungen einer MVA angepasst werden. Parallel dazu muss auch eine Infrastruktur aufgebaut werden, um das CO2 transportieren und dauerhaft speichern zu können. Zudem müssen alle diese Entwicklungen schnell skalierbar sein: Nach 2030 muss die abgeschiedene CO2‐Menge rasch steigen, bis 2035 auf 400.000 Tonnen und bis 2050 muss die Technologie auch in der übrigen Industrie angewendet werden und gemäß Bundesrat 7 Millionen Tonnen abscheiden. Der Verband geht von Gesamtinvestitionen von mehr als 50 Millionen Schweizer Franken aus.

Kommentar schreiben

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.