Paradigmenwechsel in der Wegwerfgesellschaft

Das Nationale Ressourcen Forum Austria, die österreichische Plattform für effiziente Ressourcennutzung und Nachhaltigkeit, hat am 24. und 25. Januar in Salzburg mit unterschiedlichsten Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik Problemstellungen und Lösungsvorschläge zu den drängenden Fragen der Ressourcen- und Materialeffizienz diskutiert.
Rudolf Zrost, Präsident des Ressourcen Forum Austria: „Das Ressourcen Forum Austria übernimmt eine wichtige Think-Tank-Funktion - vor allem im Hinblick auf die Vernetzung und Initiierung von Akteurs-Allianzen aus Industrie/Wirtschaft, Landwirtschaft und Politik." Bildcredit: Nationales Ressourcen Forum Austria/www.vogl-perspektive.at

Das Nationale Ressourcen Forum fand bereits zum dritten Mal im Salzburger Heffterhof statt. Rudolf Zrost, Präsident des Ressourcen Forum Austria erklärt: „Das Ressourcen Forum Austria verfolgt seit der Gründung im Jahr 2013 das Ziel, Betriebe aus Wirtschaft, Industrie und Landwirtschaft vor den Vorhang zu holen und anhand praktischer Beispiele aufzuzeigen, wie der Materialeinsatz in Produktionsprozessen verringert werden kann.“

Das Richtige tun und in den Gemeinden beginnen
In den Gemeinden wird die Zukunft gestaltet, da sie als kleinste Verwaltungseinheit eine bestimmende Stellung in der Umsetzung von Vorgaben in die Praxis haben. „Durch das Setzen von Prioritäten im eigenen Verwaltungsbereich nehmen die Gemeinden Einfluss auf Art und Umfang der Verwendung der vorhandenen Ressourcen im Gemeindegebiet. Darüber hinaus ist die Gemeinde die erste Kontaktstelle hin zu den Bürgern“, betont Grödigs Bürgermeister Richard Hemetsberger. In dieser Funktion sei die Gemeinde auch Vorbild für ihre Einwohner und könne so indirekt auf den Umgang mit Ressourcen im privaten Umfeld Einfluss nehmen. Als erfolgreiche Beispiele wurden u.a. das interkommunale Betriebsbaugebiet Lengau, das Projekt „Treffpunkt statt Leerstand“ in der oberösterreichischen Gemeinde Ottensheim und die Leerstandsinitiative SUPER in der Stadt Salzburg genannt.

Politische Regulierung und Eigenverantwortung
Dass es dabei politische Regulierung, aber vor allem Eigenverantwortung braucht, betonten die Repräsentanten der Politik: „Wenn wir unser Land der nächsten Generation nur annähernd in einem Zustand hinterlassen wollen, in dem wir es von unseren Vorfahren so selbstverständlich vererbt bekommen haben, müssen wir Wachstum und Wohlstand vom Einsatz natürlicher Ressourcen entkoppeln. Wir leben in einem mit Naturschönheit und natürlichen Ressourcen reich gesegneten Land. Das ist ein Geschenk – und eine große Verantwortung zugleich“, betont der Salzburger Landesrat Sepp Schwaiger.

Der schonende Umgang mit unseren Ressourcen ist ein wichtiges Element, um dieser Verantwortung gerecht zu werden. Allerdings ist dieser nicht gleichbedeutend mit Verzicht. „Viel wichtiger ist es, natürliche Ressourcen intelligent und ökologisch nachhaltig zu nutzen. Damit das gelingt, müssen sich die vielen großen und kleinen Initiativen zu einem Gesamtbild fügen, das es uns ermöglicht, unser Land mit gutem Gewissen an die nächsten Generationen weiterzugeben. Das Erteilen von guten Ratschlägen hilft in diesem Zusammenhang wenig, wenn niemand selber anpackt,“ ist Schwaiger überzeugt.

BMNT-Generalsekretär Josef Plank weiß: Umweltschutz und Wirtschaftswachstum gehen Hand in Hand. Er verweist auf die Wichtigkeit einer gesunden Mischung aus Kommunikation und Regulierung, denn: „Es muss auch attraktiv sein, das Richtige zu tun. Kommunikation ist deshalb manchmal wichtiger, als stringente Regulierung. Wobei es aber auch diese im Wettbewerb braucht.“ Deshalb werden Aktivitäten hin zur Ressourceneffizienz auf betrieblicher Ebene gefördert, wobei es dem Ministerium ein Anliegen ist, neben den technischen auch die organisatorischen und kooperativen Aspekte des Themas anzusprechen.

Die Referenten im Workshop für Bildung und Nachhaltige Entwicklung (v.l.): Michael Scharp (Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung), Meike Krebs-Fehrmann, (Biosphärenregion Berchtesgadener Land), Johanna Michenthaler (Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik Wien), Alexander Glas (Salzburger Bildungswerk) und Markus Schaflechner (Biosphärenpark Lungau) Bildcredit: Nationales Ressourcen Forum

Bürgerbeteiligung und Bildung
Politische Programme und Top-Down-Maßnahmen reichen nicht aus. Am schonenden Umgang mit heimischen Ressourcen für eine nachhaltige Entwicklung muss sich die gesamte Gesellschaft beteiligen. „Das bedeutet einen Prozess, in welchem versucht wird, die Perspektiven und Interessen aller gesellschaftlichen Gruppen zu berücksichtigen und auszugleichen. Entscheidend wird sein, dass die unterschiedlichen inhaltlichen Vorstellungen und Interessen konstruktiv eingebracht werden können. Denn eine nachhaltige Wirtschaft und Gesellschaft kann nur Produkt eines gesellschaftlichen Such-, Lern- und Gestaltungsprozesses sein,“ betont die Wissenschafterin Johanna Michenthaler. Dieser Anspruch stellt neue und große Herausforderungen an jeden einzelnen und die gesamte Gesellschaft. Bildung wurde deshalb im Workshop „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ als zentrales Element zur Erreichung einer nachhaltigen Gesellschaft gesehen. Markus Schaflechner vom Biosphärenpark Lungau und Johanna Meike Krebs-Fehrmann aus der Biosphärenregion Berchtesgadener Land verweisen darüber hinaus auf die Bedeutung des technologischen Fortschrittes und optimierter Prozesse.

Impuls für gelebte Ressourceneffizienz aus der Landwirtschaft
„In der Landwirtschaft geht es nicht zuletzt darum, die Menschen zu ernähren“, sagt Jochen Kantelhardt, Professor auf der BOKU Wien. Die Zukunft der österreichischen Landwirtschaft hängt entscheidend von ihrem Umgang mit natürlichen und anderen Ressourcen ab, lautete sein Fazit, denn: Schon heute übersteige die Ressourcennutzung in allen Wirtschaftsbereichen die natürliche Regenerationsfähigkeit der Erde – so dass sie so nicht fortgeführt werden könne. Die Landwirtschaft mit ihrer globalen Boden-, Wasser- und Biosphärennutzung müsse sich dem gesellschaftlichen Auftrag nach nachhaltiger Erzeugung stellen. Umzusetzen sei dies, so Kantelhardt, „vor allem durch die Förderung des technischen Fortschritts und der wachsenden Effizienz in der Produktion und der Kommunikation für mehr gesellschaftliche Akzeptanz.“ Gleiches gelte für Anbauflächen und Düngung, betonen Franz Erich Pötsch (AGES/HBLFA Raumberg-Gumpenstein) und Christian Krumphuber von der Landwirtschaftskammer Oberösterreich: „Die Effizienz von Produktionssystemen sei anhand der Verwertung der Produktionsfaktoren unter Einbeziehung der natürlichen Ressourcen zu bewerten.“ Gleichzeitig sei die Effizienz der Landwirtschaft durch technischen Fortschritt und optimierter Prozesse weiter zu erhöhen.

Im Bild (v.l.): Chefredakteur Manfred Perterer (Salzburger Nachrichten), Generalsekretär Josef Plank (Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus), IV-GF Irene Schulte, Präsident Rudolf Zrost (Ressourcen Forum Österreich), Andrea Eder-Gitschthaler (Uniqa), Xaver Edelmann (Vizepräsident World Resources Forum), Nikolaus Lienbacher (Ressourcen Forum Österreich) und Keynote-Speaker Michael Braungart . Bildcredit: Nationales Ressourcen Forum Austria/www.vogl-perspektive.at

Weltuntergangsstimmung ist unangebracht
Mut zum Optimismus liefert u.a. Professor Michael Braungart mit seinem Cradle to Cradle-Prinzip: Ihm geht es um einen Paradigmenwechsel im Umweltschutz, um „nützliche statt weniger schädliche Produkte” oder – anders ausgedrückt – “die richtigen Dinge zu tun, statt Dinge richtig zu tun.“ Aber auch zahlreiche Beispiele aus der gelebten Praxis belegen: Ressourceneffizienzmaßnahmen entlang der Wertschöpfungskette können große Erfolgspotenziale erschließen. Akteure, die ihre Produktion aufeinander abstimmen und Kooperationen bilden, können ihren Material- und Energieeinsatz senken, Kosten reduzieren und zusätzlich Wettbewerbsvorteile oder sogar neue Geschäftsideen etablieren.

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