Ziel ist es, komplexe Verpackungsströme wieder in industrielle Produktionskreisläufe für technische Anwendungen zurückzuführen. Im Mittelpunkt stehen eine hohe Materialqualität, die Rückverfolgbarkeit der Stoffströme sowie die Einhaltung regulatorischer Anforderungen der geplanten europäischen Verpackungsverordnung.
Als Input dienen gebrauchte Kunststoffverpackungen aus dem Rücknahmesystem PAMIRA, das von RIGK für Pflanzenschutz- und Flüssigdüngerverpackungen betrieben wird, sowie Verpackungen aus dem System der Gebinde-Verwertungsgesellschaft der Mineralölwirtschaft mbH. Beide Systeme stellen definierte Sammel- und Vorbereitungsstrukturen bereit, die eine kontrollierte Materialqualität und Rückverfolgbarkeit der Verpackungen gewährleisten.
Kontrollierte Sammelstrukturen als Grundlage
RIGK betreibt kollektive Rücknahmesysteme im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung und arbeitet nach den Vorgaben des Verpackungsgesetz. Das Unternehmen organisiert gemeinsam mit Industriepartnern Rücknahme- und Recyclinglösungen für gewerbliche und landwirtschaftliche Kunststoffverpackungen. Systeme wie PAMIRA oder die Sammelstrukturen der Mineralölwirtschaft erreichen hohe Rücknahmequoten und basieren auf standardisierten Vorreinigungsprozessen.
Im Rahmen des Pilotprojekts stellen diese Systeme einen kontrollierten Inputstrom bereit. Dadurch lassen sich Qualität und Zusammensetzung des Materials bereits an der Quelle dokumentieren und überwachen. Vor dem Hintergrund der steigenden Anforderungen der geplanten europäischen Verpackungsverordnung erprobt das Projekt zusätzliche Prozessschritte, um komplexe Post-Consumer-Verpackungen für neue Kreislaufanwendungen aufzubereiten.
Mechanisches Recycling unter industriellen Bedingungen
Die Versuche wurden Ende Februar 2026 in einer mechanischen Recyclinganlage von GCR durchgeführt. Die Anlage ist Teil eines Investitionsprogramms in Höhe von rund 100 Millionen Euro, mit dem das Unternehmen seine Recyclingkapazitäten im Hinblick auf die Anforderungen der kommenden EU Packaging and Packaging Waste Regulation ausbaut.
Im Projekt kamen Verfahren wie Heißwäsche, automatisierte Sortiertechnik und Extrusion zum Einsatz. Ergänzend wurden Additive zur Materialverstärkung sowie Systeme zur Geruchsreduktion eingesetzt. Ziel war es, das aufbereitete Kunststoffgranulat so aufzubereiten, dass es wieder in industrielle Produktionsprozesse integriert werden kann.
Analytische Prüfung der Rezyklatqualität
Die Materialanalysen wurden durch die Innovationsabteilung von GCR begleitet. In einem zweitägigen Testprogramm wurden Wasch-, Trenn- und Analyseprozesse durchgeführt. Zur Untersuchung der Rezyklate kamen gas- und flüssigchromatographische Verfahren zum Einsatz.
Die Analysen konzentrierten sich auf Materialreinheit, flüchtige Bestandteile sowie mögliche Kontaminationen. Ergänzend erfolgten mechanische und rheologische Prüfungen. Die technische Infrastruktur ermöglicht zudem Pilotversuche zur Simulierung Produktionsprozesse von Kunststoffverarbeitern. Dadurch lassen sich sowohl regulatorische Anforderungen als auch die industrielle Verarbeitbarkeit der Rezyklate überprüfen.
Vorbereitung weiterer industrieller Anwendungen
Nach der Validierung der ersten Prozessschritte signalisierten mehrere europäische Verpackungshersteller Interesse an der Nutzung der recycelten Materialien, sobald technische und qualitative Prüfungen abgeschlossen sind. Die Partner planen weitere Versuche, um die Ergebnisse zu bestätigen und die Prozessparameter weiter zu optimieren.
Das Pilotprojekt soll zeigen, unter welchen Bedingungen komplexe Industrieverpackungen in stabile Materialkreisläufe integriert werden können. Dabei stehen die Rückverfolgbarkeit der eingesetzten Materialien, kontrollierte Aufbereitungsprozesse und eine analytische Qualitätssicherung im Mittelpunkt. Diese Faktoren gelten als Voraussetzung für den Einsatz von Rezyklaten in technischen Anwendungen und für die Umsetzung regulatorischer Anforderungen im europäischen Verpackungsmarkt.







