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Neuer Standard für Anschlussnutzung im Bau

Bei Sanierungen und Rückbauprojekten in Bestandsgebäuden werden Baustoffe heute häufig bereits auf der Baustelle getrennt. Bewehrungsstahl, Betonabbruch und Altholz werden sortiert erfasst, bevor sie abtransportiert werden. In vielen Fällen folgt anschließend jedoch eine energetische Verwertung, ein minderwertiges Recycling oder die Entsorgung. Eine hochwertige Wiederverwendung von Bauteilen und Bauprodukten wird bislang selten umgesetzt, obwohl die Materialien häufig technisch geeignet wären.
© E. Zillner
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Mit der neu veröffentlichten DIN SPEC 91525 liegt nun ein standardisierter Rahmen für die Bewertung und Planung der Anschlussnutzung von Baumaterialien aus Bestandsgebäuden vor. Die Spezifikation definiert praxisnahe Kriterien, um Bauteile im Hinblick auf technische Machbarkeit, wirtschaftliche Zumutbarkeit und ökologische Sinnhaftigkeit systematisch zu beurteilen. Ziel ist es, Wiederverwendung und hochwertige Verwertung bereits vor dem Rückbau nachvollziehbar und einheitlich bewerten zu können.

Die DIN SPEC 91525 wurde von Concular initiiert und über mehrere Monate in einem Konsortium erarbeitet. Insgesamt waren rund 60 Fachleute aus Universitäten, Verbänden, Genossenschaften und Unternehmen beteiligt, darunter Strabag sowie der Deutsche Abbruchverband und der Abbruchverband Nord. Mit der Spezifikation wird eine gemeinsame Bewertungslogik etabliert, die eine ressourcenschonende Bauteilwiederverwendung in der Praxis unterstützen soll.

Inhaltlich knüpft die DIN SPEC 91525 an die im September 2025 veröffentlichte DIN SPEC 91484 zu Pre-Deconstruction Audits an, die ebenfalls von Concular initiiert wurde. Während die DIN SPEC 91484 die strukturierte Erfassung und Dokumentation von Bauteilen beschreibt, ergänzt die neue Spezifikation ein Bewertungsverfahren zur Anschlussnutzung und zur Entscheidung über geeignete Verwertungswege.

Der neue Standard orientiert sich zudem an aktuellen regulatorischen Anforderungen, unter anderem an der novellierten EU-Bauprodukteverordnung sowie an Vorgaben der EU-Abfallrahmenrichtlinie, des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Damit soll die Bewertung von wiedergewonnenen Bauteilen besser mit bestehenden rechtlichen und organisatorischen Verfahren in Bauprojekten zusammengeführt werden.

Für die Umsetzung in Bauprojekten eröffnet die DIN SPEC 91525 neue Ansätze, um Materialien und Bauteile möglichst hochwertig im Wirtschaftskreislauf zu halten. So kann Altholz unter geeigneten Bedingungen als Bauteil erneut eingesetzt werden, statt in die thermische Verwertung zu gehen. Betonabbruch lässt sich als Rohstoff für R-Beton nutzen und muss nicht ausschließlich in weniger anspruchsvolle Anwendungen wie den Straßenunterbau fließen.

Mit der Veröffentlichung der DIN SPEC 91525 steht erstmals ein einheitlicher Bewertungsrahmen zur Verfügung, um Anschlussnutzungskonzepte im Bauwesen nachvollziehbar zu entwickeln und zwischen Projektbeteiligten abzustimmen. Damit wird eine Grundlage geschaffen, die Wiederverwendung und hochwertige Verwertung von Bauprodukten im Bestand systematisch in Planungs- und Rückbauprozesse integriert.

Quelle: Concular
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