Weiterhin unsicheres Umfeld für deutsche Stahlindustrie

Globale Strukturprobleme, eine unzureichende europäische Außenhandelspolitik sowie drohende Belastungen durch den EU-Emissionsrechtehandel bestimmen nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl das Umfeld der Stahlindustrie in Deutschland und Europa.
Marcel Klinger, pixelio.de

Zusätzlich bereiteten mögliche Folgen der künftigen US-Handelspolitik immer größere Besorgnis. Daher bewege sich die moderate konjunkturelle Erholung der Stahlindustrie auf einem zunehmend unsicheren Fundament.

„Die Europäische Union steht vor einer großen industriepolitischen Herausforderung. An der Stahlindustrie macht sich beispielhaft fest, ob und wie die EU auf Gefährdungen ihrer industriellen Basis reagieren will“, sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Es brauche jetzt mutige Entscheidungen, um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie in einem veränderten internationalen Umfeld zu erhalten. „Protektionismus abzulehnen und gleichzeitig konsequenten Handelsschutz gegen unfaire Marktteilnehmer sicherzustellen, sind kein Widerspruch, sondern zwei Seiten einer Medaille“, stellt Kerkhoff mit Blick auf aktuelle Verlautbarungen aus den USA sowie den Importdruck von Dumpingstahl aus China und weiteren Ländern klar.

Bei der Bewältigung der globalen Strukturkrise stehe China weiterhin im Fokus, da rund zwei Drittel der weltweiten Überkapazitäten auf dieses Land entfallen. Trotz angekündigter Schließungspläne fahre die chinesische Stahlindustrie aktuell die Produktion hoch statt Anlagen tatsächlich vom Markt zu nehmen. Von dieser Seite sei keine Entspannung zu erwarten. „Leider geht Brüssel die Modernisierung der EU-Handelsschutzinstrumente bislang nur äußerst zaghaft an. Zudem ist die Gefahr vorhanden, dass es künftig für China deutlich leichter werden könnte, Dumpingstahl nach Europa zu exportieren“, sagt Kerkhoff.

Brüssel sei beim Emissionsrechtehandel mit drohenden milliardenschweren Auflagen für die Stahlindustrie auf falschem Kurs. „In den kommenden sechs Wochen entscheidet sich die Investitionsperspektive und Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie für die nächsten Jahre. Wenn es jetzt nicht zu Fortschritten kommt, muss das Thema Emissionsrechtehandel angesichts seiner industriepolitischen Bedeutung von der Bundeskanzlerin in die Hand genommen werden“, so Kerkhoff.

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