Die Konkurrenz aus Asien nimmt zu

Während der Sitzung des Papier-Komittees im BIR in Amsterdam war China wieder einmal das Hauptthema.

Zu Beginn der Sitzung des Papier-Komitees wies Präsident Reinhold Schmidt eindringlich darauf hin, dass der gut funktionierende Markt privatwirtschaftlicher Systeme immer weiter untergraben werde, da die Kommunen selber Einnahmen erzielen wollten. Schmidt kritisierte, dass sich Europa bei der Erfassung von Wertstoffen immer mehr von der Marktwirtschaft verabschiede. Und während der Mittelstand auf der einen Seite unter der Rekommunalisierung leide, werde er auf der anderen Seite immer mehr von den Konzernen bedrängt. Schmidt forderte die Politik auf, diese Fehlentwicklung zu stoppen.

Für Nordeuropa meldete Lars-Gunnar Almryd stabile Sammlungen und eine ebenfalls stabile Nachfrage. Für das laufende Jahr seien auch keine größeren Veränderungen zu erwarten. Allerdings habe im July der größte Papierrecycler in Schweden, Stena, die Nummer zwei im Markt (IL Recycling) übernommen.

In Osteuropa sei ein Anstieg bei den Sammlungen zu erkennen, so Almryd weiter. Allerdings gebe es in den meisten Ländern keine ausreichenden Behandlungskapazitäten, so dass ein großer Teil des Materials exportiert würde. Den tschechischen Markt bezeichnete er als stabil. Die Situation in Polen sei unklar, da sich die oben genannte Akquisition auch auf den polnischen Markt auswirken werde.

In der Türkei sei die Nachfrage deutlich höher als die gesammelten Mengen, berichtete Almryd weiter, daher müssten monatlich etwa 40.000 Tonnen importiert werden, um die Nachfrage zu bedienen.
In Spanien seien die Preise im Sommer angestiegen, erläuterte Francisco Donoso, da die gesammelten Mengen im Sommer traditionell gering seien, die Nachfrage stabil sei.
Für den Nahen Osten berichtete Tarek Al Sharif von Sharif Metals, dass die Sammlung und der Ausbau von Sortiersystemen weiter voranschreite. Auch beim Export sei ein Wachstum zu erkennen. Aufgrund der geringen Frachtkosten seien Indien und Pakistan die bevorzugten Exportziele, aber auch nach China und in andere asiatische Staaten werde Material geliefert. Dass Qualität der entscheidende Faktor sei, habe man erkannt, so Al Sharif. Hier seien auch deutliche Verbesserungen zu erkennen.

BIR-Präsident Baxi wies darauf hin, dass nicht nur in China, sondern auch Indien und Südkorea inzwischen große Mengen von Altpapier gesammelt würden. Dies werde sich auf die Nachfrage aus diesen Ländern auswirken. Er beklagte auch den holprigen Weg der Altpapierindustrie im Jahr 2016 und erklärte, dass die Margen „ständig von Faktoren bedroht werden, die wir nicht beeinflussen können“ wie etwa dem Brexit und gesetzlichen Entwicklungen.

Über den chinesischen Markt berichtet ausführlich Gastredner Wade Schuetzeberg von America Chung Nam. Das chinesische Wachstum würde inzwischen mehr auf lokalem Verbrauch als auf Export basieren, erklärte er. Das Land verfüge über mehr selber gesammelte Mengen. Daher müsse Europa weiter die Qualität seines Materials verbessern. Eine Wertschöpfung sei nur über Qualität und wettbewerbsfähige Preise zu erzielen, nicht über Mengen, so Schuetzeberg. Er prognostizierte, dass die Industrie eine weitere Konsolidierung erleben werde. Zudem warnte Schuetzeberg davor, dass zunehmende Kontrollen und Regulierungen in China den Import von ganzen Stoffströmen beenden könne. Diese Tendenz sei auch in Europa zu erkennen.

Im Rahmen der Sitzung wurde zum Heiman Bollegraaf, Gründer und ehemaliger Geschäftsführer des niederländischen Maschinenbauers, für seine Dienste um das Papierrecycling mit dem Papyrus-Award ausgezeichnet.

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