Ein von Innosuisse gefördertes Forschungsprojekt der Hochschule Luzern untersucht, unter welchen Bedingungen Arbeitsbekleidung dennoch in textile Kreisläufe integriert werden kann und wo bestehende Grenzen liegen.
Arbeitsbekleidung weist im Vergleich zu anderen Textilien strukturelle Vorteile auf. Sie ist häufig standardisiert, stammt aus klar definierten Lieferketten und wird zentral bewirtschaftet. In einem Pilotversuch konnte gezeigt werden, dass gebrauchte Arbeitsbekleidung mechanisch rezykliert und erneut zu Garn versponnen werden kann. Die daraus hergestellten Stoffe enthielten einen relevanten Anteil an recyceltem Material, der über dem derzeit branchenüblichen Niveau liegt. Für einen breiten Einsatz müssen jedoch weitere Qualitätsverbesserungen erzielt werden, da Arbeitsbekleidung hohen Anforderungen an Strapazierfähigkeit und Lebensdauer genügen muss.
Ein zentrales Hemmnis für textile Kreisläufe ist die Vielfalt an Faserzusammensetzungen und Farben in der Altkleidersammlung sowie deren unzureichende Deklaration. Arbeitsbekleidung bietet hier günstigere Voraussetzungen, da große Mengen gleichartiger Textilien anfallen und deren Nutzung häufig dokumentiert ist. Durch zentrale Waschprozesse und den Einsatz von RFID- oder Chip-Systemen liegen detaillierte Informationen über Materialzusammensetzung, Nutzungsdauer und Pflegezyklen vor. Diese Daten schaffen Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und bilden eine wesentliche Grundlage für kreislauffähige Systeme.
Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt „Circular Workwear“ initiiert. Beteiligt waren Akteurinnen und Akteure aus Forschung, Industrie, Textilsammlung, Logistik und Datenmanagement. Ziel war es, zirkulär optimierte Arbeitsbekleidung zu entwickeln, geeignete Sammel- und Sortierprozesse zu testen sowie Konzepte für den Datenaustausch entlang der Wertschöpfungskette zu erarbeiten. Ergänzend wurden Abnehmerperspektiven sowie maschinentechnische Anforderungen einbezogen.
Als Ergebnis stehen den beteiligten Unternehmen praxisnahe Handlungsempfehlungen und ein Bewertungstool zur Verfügung, mit dem sich die Kreislauffähigkeit von Arbeitsbekleidung systematisch analysieren lässt. Deutlich wurde zudem, dass textile Kreisläufe nur durch eine enge Zusammenarbeit der gesamten Branche realisierbar sind. Zentrale Ansatzpunkte sind eine verbesserte Vernetzung, die konsequente Anwendung zirkulärer Designprinzipien sowie die durchgängige Nachverfolgung von Material- und Datenströmen. Wirtschaftlich bleibt die Konkurrenz zwischen recycelten und primären Fasern eine zentrale Herausforderung, da thermische Verwertung derzeit häufig kostengünstiger ist als stoffliches Recycling.
Die Hochschule Luzern beschäftigt sich departementsübergreifend mit den technischen und ökonomischen Voraussetzungen der Kreislaufwirtschaft. Neben Textilien stehen auch Baustoffe, Kunststoffe und Metalle im Fokus. In allen Bereichen zeigt sich, dass funktionierende Kreisläufe komplexe Systeme erfordern, die nur durch die enge Verzahnung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Umsetzung entwickelt werden können.







