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Diskussionspapier skizziert Defossilisierungsstrategien

Kohlenstoff ist ein zentraler Rohstoff der Chemieindustrie und bislang überwiegend an fossile Quellen wie Erdöl, Erdgas und Kohle gebunden. Für die klimaneutrale Transformation der Branche ist deshalb die Verfügbarkeit nachhaltiger Kohlenstoffquellen von entscheidender Bedeutung.
Diskussionspapier skizziert Defossilisierungsstrategien
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Ein von der Initiative IN4climate.NRW veröffentlichtes Diskussionspapier mit dem Titel „Kohlenstoff – aber nachhaltig!“ kommt zu dem Ergebnis, dass sich die Kohlenstoffbedarfe der deutschen Chemieindustrie grundsätzlich auch ohne zwingende Importe nachhaltig decken lassen. Gleichzeitig verweist das Papier auf einen erheblichen politischen Handlungsbedarf, insbesondere mit Blick auf Infrastruktur, regulatorische Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit.

Produkte der Chemieindustrie wie Waschmittel, Klebstoffe, Lacke, Farben oder Kunststoffe werden in vielen Branchen eingesetzt und basieren in weiten Teilen auf kohlenstoffhaltigen Grundstoffen. Derzeit stammt der überwiegende Anteil dieses Kohlenstoffs aus fossilen Quellen. Das Diskussionspapier benennt Strategien, wie die Chemieindustrie in Deutschland Klimaneutralität bis 2045 erreichen kann, ohne die industrielle Wertschöpfung und die Versorgung mit Basischemikalien und Spezialprodukten zu gefährden. Nordrhein-Westfalen spielt dabei aufgrund seiner starken Chemie- und Prozessindustrie eine besondere Rolle.

Zentrale Voraussetzung für eine inländische Versorgung ist laut Analyse die konsequente Mobilisierung aller nachhaltigen Kohlenstoffquellen. Dazu zählen Kunststoffabfälle, Biomasse sowie CO₂ als potenzieller Kohlenstoffträger für die stoffliche Nutzung. Für das Kunststoffrecycling wird ein weiterer Ausbau des mechanischen Recyclings als wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft beschrieben. Parallel wird die Weiterentwicklung und Skalierung des chemischen Recyclings als notwendig bewertet, insbesondere wenn es um gemischte oder verunreinigte Kunststoffströme geht. Damit solche Verfahren in relevanter Größenordnung verfügbar werden, sind zeitnahe Standortentscheidungen und Investitionen erforderlich.

Für den Bereich Biomasse betont das Papier die Notwendigkeit einer effizienten und vorrangig stofflichen Nutzung nach dem Kaskadenprinzip. Biomasse sollte demnach bevorzugt für Anwendungen eingesetzt werden, bei denen sie einen hohen Wertschöpfungsbeitrag ermöglicht, etwa in Form von Biopolymeren oder ausgewählten Spezialchemikalien. Um Nutzungskonkurrenzen zu vermeiden, wird eine strategische Priorisierung empfohlen, die auf einer regionalen Analyse der verfügbaren Biomassemengen aufbaut und die spezifischen Bedarfe der Industrie in Nordrhein-Westfalen berücksichtigt.

Die stoffliche Nutzung von CO₂ gewinnt aus Sicht der Initiative zusätzlich an Bedeutung, insbesondere im Kontext geschlossener Kohlenstoffkreisläufe. Der Einsatz sollte demnach so gestaltet werden, dass Kohlenstoff möglichst lange im Kreislauf bleibt und Emissionen vermieden werden. Für kurzlebige oder nicht kreislauffähige Produkte, beispielsweise Verpackungen, kann biogenes CO₂ eine geeignete Option darstellen. In diesem Zusammenhang verweist das Papier auf die Notwendigkeit, CO₂-Mengen und Transportbedarfe frühzeitig in Infrastruktur- und Netzplanungen einzubeziehen.

Da neue Verfahren und Anlagen in der Chemieindustrie lange Entwicklungs- und Realisierungszeiten haben, sieht IN4climate.NRW einen kurzfristigen Bedarf an geeigneten politischen Rahmenbedingungen. Dazu zählen strategisch ausgerichtete Förderprogramme, die gezielt priorisieren, die Entwicklung von Leitmärkten für defossilisierte Produkte sowie klare Perspektiven für den Ausbau von Transport- und Infrastrukturkapazitäten. Ein koordiniertes Gesamtkonzept wird als wesentliche Voraussetzung für die künftige Versorgung der Chemieindustrie mit nachhaltigem Kohlenstoff beschrieben und als zentraler Faktor für industrielle Wettbewerbsfähigkeit eingeordnet.

Zur Publikation

Quelle: In4.climate NRW
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