Internationale Vernetzung für Textile Kreislaufwirtschaft

Die Auswirkungen von „Fast-Fashion“ könne für einige Unternehmen der Alttextilbranche bald existenzbedrohliche Züge annehmen, warnt der bvse. Auf dem 8. Internationalen Alttextiltag des Verbands diskutierten Teilnehmer, ob eine echte textile Kreislaufwirtschaft in Zukunft noch eine Chance hat.
Rudolpho Duba, pixelio.de

„Die Textilrecyclingunternehmen sind ein wichtiger Teil der textilen Kreislaufwirtschaft. Rund die Hälfte der gesammelten Alttextilien wird wiederverwendet, die Recyclingquote insgesamt liegt bei starken 90 Prozent. Jedoch kann unser hochwertiges, ökonomisch und ökologisch sinnvolles System des Textilrecyclings in Zukunft nur gemeinsam mit allen großen Playern der textilen Kreislaufwirtschaft, der Textilindustrie, der staatlichen Abfallwirtschaft, den gemeinnützigen Sammlern und auch den Verbrauchern gesichert und weiterentwickelt werden“, sagte bvse-Vizepräsident Martin Wittmann vor rund 80 Teilnehmern des 8. Internationalen Alttextiltags in Fulda.

Auswirkungen von Fast Fashion bringen Branchenunternehmen in Existenznot
Für die Unternehmen der Alttextilbranche gebe es derzeit keinen Grund, optimistisch in die Zukunft zu sehen, erklärte Wittmann in seiner Einführungsrede. „Das Masse-statt-Klasse-Prinzip der sich am Markt immer weiter ausdehnenden Textildiscounter bringt das kostenfreie privatwirtschaftliche System der Altkleiderverwertung allmählich ins Wanken“, so Wittmann.

Seit Monaten sind die Sammelmengen von Alttextilien laut bvse überdurchschnittlich hoch. Die Lager der Textilrecycler liefen voll – mit Sammelware von äußerst minderwertiger Qualität. Immer mehr Unternehmen seien aufgrund begrenzter Lagerflächen gezwungen, sich der Abwärtspreisspirale für Sammelware zu beugen, um die Ware überhaupt noch los zu werden. Hinzu kämen zusätzliche Kosten, die die betriebswirtschaftliche Kalkulation belasten, etwa für die Beseitigung von Fremdstoffen und querkontaminierten Textilien, für die es keinen anderen Weg als die ressourcenvernichtende Müllverbrennung mit hohen Verbrennungskosten gibt. Wenn es dazu kommt, dass die erzielbaren Preise am Markt geringer sind als die Kosten für die Erfassung und Verwertung, führe dies über kurz oder lang zu einer existenzbedrohlichen Situation für viele Sammler und Sortierer.

„Die Aussicht, dass die Unternehmen unserer Branche sich gezwungen sehen, ihre Geschäfte aufzugeben und Alttextilien dann wieder zunehmend in die Reißerei oder in die Verbrennung gehen, wäre ein Zukunftsszenario, das niemand will“, warnte Wittmann. Auch entspräche dies nicht der Hierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das der Wiederverwendung klar den Vorrang gegenüber dem Recycling und der weiteren Verwertung gibt.

Lösung im Dialog mit der Textilindustrie finden
Einen Ausweg sieht Wittmann nur mit und über die Textilindustrie. Diese müsse in Zukunft für ihre Produkte auch nach dem Verkauf mehr Verantwortung übernehmen. „Anstelle einer staatlichen Regelung befürworten wir als Verband der Privatwirtschaft ein privatwirtschaftlich organisiertes System mit freiwilliger Selbstverpflichtung“, schlug Wittmann vor. So sei denkbar, dass sich die Textilindustrie über eine Gebühr im Rahmen der erweiterten Produktverantwortung, an den Kosten für die Sammlung und die Sortierung ihrer eigenen Produkte beteiligt. Zielführend sei darüber hinaus eine (Selbst-)Verpflichtung, den Neutextilien mindestens eine bestimmte Quote von Recyclingmaterial beizumischen, um das Faserrecycling zu fördern. Insgesamt müsse ein Anreiz geschaffen werden, die Herstellungsqualität allgemein zu verbessern und damit die Wiederverwendbarkeit der Produkte zu erhöhen. „Hierzu haben wir bereits den Dialog mit allen Beteiligten aufgenommen und werden diesen demnächst noch weiter vertiefen, um gemeinsam Lösungen zu finden“, so bvse-Vizepräsident Martin Wittmann.

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