Recyclingunternehmen fordern Nationalen Rat Recycling

Deutschland muss nach Auffassung der beiden führenden deutschen Metallrecycler Scholz und TSR dringend die Rohstoffwende einleiten.
Thorben Wengert, pixelio.de
Thorben Wengert, pixelio.de

Trotz hoher Sammelquoten werde in Deutschland zu wenig recycelt. Schätzungsweise weniger als ein Fünftel der Rohstoffe in der deutschen Industrie kämen aus wiederverwertetem Material, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier beider Unternehmen. Sie fordern darin die Politik auf, einen Nationalen Rat für Recycling zu schaffen. Dieser soll dazu beitragen, die enormen Umweltschutz-Potenziale durch verstärktes Recycling zu heben.

„Wir müssen als führende Industrienation mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen und mit knapper werdenden Rohstoffen sinnvoller haushalten. Das geht nur mit effektivem Recycling und einer konsequenten Kreislaufwirtschaft“, sagte Dr. Klaus Hauschulte, Geschäftsführer der Scholz Recycling GmbH. Vor allem weil die deutsche Industrie zu großen Teilen von Rohstoffimporten abhängig ist – bei Metallen sogar zu 100 Prozent. „Allein deshalb müssen wir einmal zu uns gelangte Rohstoffe im Land halten und sie wiederverwerten“, fügte Dr. Hauschulte hinzu.

Beide Unternehmen forderten die Politik auf, Recycling als gesamtstaatliche Aufgabe zu begreifen und mit allen Beteiligten entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Bernd Fleschenberg, Geschäftsführer der TSR Recycling GmbH & Co. KG: „Die Wiederverwertbarkeit von Rohstoffen muss schon bei der Produktentwicklung berücksichtigt werden. Deshalb muss zwingend die Ökodesign-Richtlinie angepasst werden.“ Denn gerade neuentwickelte Verbundstoffe lassen sich selbst in hochmodernen Recyclinganlagen nur schwer bis gar nicht trennen und wiederaufbereiten. Schon beim Entwurf von neuen Produkten muss deshalb an die Recyclingfähigkeit gedacht werden.

Auf deutscher Ebene müsse es zugleich eine engere Verzahnung von Industrie, Wissenschaft und der Recyclingbranche geben. „Deshalb schlagen wir die Gründung eines Think Tanks vor. Ein runder Tisch, an dem alle Akteure gemeinsam nachhaltige Lösungen ausarbeiten und der als wichtiges Beratergremium für den Nationalen Rat Recycling verstanden werden sollte“, sagte Fleschenberg weiter.

Ziel von Scholz und TSR sei eine engere Rohstoffpartnerschaft zwischen Industrie und Recyclingunternehmen. Denn trotz hoher Recyclingquoten würden zu wenig gesammelte Rohstoffe tatsächlich durch die Industrie wiedereingesetzt. Dabei könnten Metalle wie Kupfer, Eisen oder Aluminium immer wieder in hoher Qualität eingesetzt werden.

Das Problem: Im Vergleich zu Primärrohstoffen sein Recyclingrohstoffe oft teurer. Die zu Recht strengen Umweltauflagen in Deutschland an Transport, Lagerung, Aufbereitung und geschultes Personal seien häufig mit Mehrkosten verbunden. Jedoch spare Recycling im Vergleich zum Abbau von Rohstoffen in der Natur in einem erheblichen Maße Energie und CO2 ein. Beim Aluminiumrecycling bedeute das eine Ersparnis von 94 Prozent bei Energie und 83 Prozent bei CO2-Emissionen. Auch blieben mit Recycling Rohstoffe im Land verfügbar und senkten so die Importabhängigkeit.

Deshalb, so die beiden Recyclingunternehmen, müsse auch die Bundesregierung Forschungsprojekte im Bereich Recycling zusätzlich unterstützen, um zu innovativen und zugleich nachhaltigen Lösungen zu kommen.

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