Das Unternehmen geht auf eine technische Innovation des Ingenieurs Josef Martin zurück. Mit der Entwicklung des vertikal geneigten Rückschubrostes etablierte er ein Verfahren, bei dem sich der Brennstoff durch die Schwerkraft zurückbewegt, während der Abfall kontinuierlich nach vorne transportiert wird. Dieses Prinzip bildet bis heute die Grundlage zahlreicher thermischer Abfallbehandlungsanlagen des Unternehmens.
Martin ist weiterhin in Familienbesitz und weltweit tätig. Neben dem Bau individueller Anlagen für kommunale und private Betreiber übernimmt das Unternehmen auch Service, Wartung und Modernisierung. Die Anlagen sind mit Sensorik in zentralen Prozessbereichen ausgestattet, darunter Rostsystem, Feuerung, Entschlackung, Fördertechnik und Energiegewinnung. Die dabei entstehenden Betriebsdaten bilden die Grundlage für eine kontinuierliche Prozessüberwachung.
Mit wachsender Datenmenge stieß die bisher dezentrale Auswertung an organisatorische und technische Grenzen. Unterschiedliche Werkzeuge, manuelle Exporte und verteilte Zuständigkeiten erschwerten eine konsistente Analyse. Vor diesem Hintergrund entschied sich Martin für die Einführung einer zentralen Datenplattform auf Open-Source-Basis. Ausschlaggebend waren Anforderungen an Datensouveränität und die Einordnung des Unternehmens als Teil der kritischen Infrastruktur. Die Wahl fiel auf die Plattformarchitektur von Stackable auf Basis von Kubernetes, die perspektivisch einen Wechsel in eine On-Premises-Struktur ermöglicht.
Der Aufbau der Plattform begann Anfang 2023. Nach rund neun Monaten stand eine erste funktionsfähige Version zur Verfügung, die schrittweise in eine produktive Betriebsumgebung überführt wurde. Heute ist die Lösung an allen Standorten im Einsatz. Pro Verbrennungslinie fallen täglich Datenmengen im zweistelligen Gigabyte-Bereich an. Diese werden unter anderem mit Apache Spark verarbeitet und analysiert.
Ein wesentlicher Mehrwert liegt in der Harmonisierung der Daten aus unterschiedlichen Anlagen und Sensorquellen. Durch die Zusammenführung von Messwerten, betrieblichen Informationen und physikalisch-thermodynamischen Modellen lassen sich Prozesszusammenhänge differenzierter bewerten. Standortfaktoren, saisonale Schwankungen in der Abfallzusammensetzung sowie anlagenspezifische Besonderheiten können systematisch berücksichtigt werden.
Die zentrale Verfügbarkeit konsistenter Daten unterstützt sowohl die Ursachenanalyse bei Störungen als auch die vorausschauende Instandhaltung. Wartungsmaßnahmen lassen sich gezielter planen, Stillstände reduzieren und Serviceleistungen datenbasiert dokumentieren. Betreiber erhalten strukturierte Berichte zu Emissionen, Leistungskennzahlen und Anlagenzuständen als Grundlage für betriebliche Entscheidungen.
Weltweit sind mehr als 1.000 Entsorgungslinien mit Martin-Technologie in Betrieb. Perspektivisch soll die Datenplattform sukzessive auf weitere Anlagen ausgerollt und funktional erweitert werden. Im Fokus stehen die Weiterentwicklung datenbasierter Services, die Optimierung von Analysemodellen sowie die Integration zusätzlicher Datenquellen entlang des Anlagenlebenszyklus.







