Forum Getränkedose: Mehr Mehrweg führt zu mehr Transport

Die Forderungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) nach einer Erhöhung der Mehrwegquote auf 70 Prozent würde das Verkehrsaufkommen in Deutschland laut einer aktuellen Studie drastisch erhöhen – mit entsprechenden Folgen für den verkehrsbedingten CO2-Ausstoß.
I. Friedrich, pixelio.de

Darauf hat das Forum Getränkedose, der Verband der Getränkedosenhersteller in Deutschland, unter Verweis auf die aktuelle Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) hingewiesen.

Grund sei die starke Zunahme von individuellen Mehrwegflaschen in den vergangenen Jahren, die oft über weite Strecken zurücktransportiert werden müssten. Zudem widerspricht das Forum Getränkedose den Darstellungen der Deutschen Umwelthilfe, Mehrweg sei im Gegensatz zu Dosen per se umweltfreundlich.
 
„Längst nicht jede Mehrwegflasche ist im ökologischen Sinne eine gute Flasche. Gerade für Individualflaschen gilt, dass diese – auch im Vergleich zur Getränkedose – ökologisch nicht so gut abschneiden“, so Stephan Rösgen, Geschäftsführer des Forums Getränkedose. „Die DUH argumentiert leider immer noch mit uralten Daten und lässt bisher jede Unterstützung für eine neue, neutrale Ökobilanz aller Getränkeverpackungen vermissen“, so Rösgen weiter.
 
Laut GVM-Studie vom Herbst 2019 würde eine Anhebung der Mehrwegquote auf 70 Prozent zu einem zusätzlichen Verkehrsaufkommen von 882.000 LKW-Touren im Jahr mit einer zusätzlichen Belastung von 218 Millionen Kilometern führen und den CO2-Ausstoß um 400.000 Tonnen CO2 jährlich erhöhen. Grund: Inzwischen ist fast jede zweite Mehrwegflasche (aktuell 43 Prozent) eine Individualflasche.

Die Umweltbilanz der Getränkedose habe sich dagegen in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Getränkedosen würden in Deutschland zu 99 Prozent recycelt, die Wandstärke se inzwischen dünner als die eines menschlichen Haares und als Verpackung sei die Dose eine echte „Spar-Dose“: Von 100 Prozent Gesamtgewicht seien nur 3 Prozent Verpackung und 97 Prozent Produkt.

2 KOMMENTARE

  1. So wirklich verstehe ich dieses Argument nicht. Liefert Firma X 200 Kästen an meinen Getränkehändler, nimmt der Lieferant 200 leere Kästen mit zurück, dabei entsteht doch kein zusätzlicher Weg. Anders bei Einwegflaschen: Diese werden von Firm X geliefert und von Entsorger Y abgeholt. Hier kommen also in der Regel mehr LKW. Natürlich gibt es mal mehr und mal weniger Leergut, Insgesamt sollte sich das aber ausgleichen, nur im Spitzenzeiten wären dann zusätzliche Fahrten notwendig. Von einer so dramatischen Steigerung kann man aber wohl nicht ausgehen…

    • Die Annahme ist grundsätzlich nicht falsch, aber leider ist die Praxis komplizierter als die Theorie. Eine Vielzahl unterschiedlicher Mehrwegsysteme (verschiedene Flaschenformate, herstellerexklusive Designs etc.) führen dazu, dass sich der Logistikaufwand in den letzten Jahren erheblich erhöht hat. Hinzu kommen der größere Kraftstoffverbrauch bei schwereren Glasflaschen, steigende Verlustquoten und sinkende Marktanteile, die sich ebenfalls negativ auf die Ökobilanz auswirken. Tieferen Einblick in das Thema bietet ein Beitrag im RECYCLING magazin 8/2019, der die Ökobilanz von verschiedenen Getränkeverpackungen untersucht. Basis ist die FKN-Ökobilanz 2018.

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