PET-Recycling: Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Er ist leicht und kostet nicht viel. Kunststoff ist eines der meist verwendeten Materialien der Welt.

Doch aufgrund seiner extremen Haltbarkeit erweist sich eine effektive Entsorgung am Ende seiner Nutzungsdauer als äußerst schwierig. Daher ist es unverzichtbar, für die Aufbereitung von Kunststoffabfällen hochwertige Recyclingtechnologien anzuwenden. Recycling leistet einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, da die Nutzung von recycelten Materialien zur Herstellung neuer Kunststoffprodukte den Rohstoffbedarf senkt, weniger Energie bei der Aufbereitung erfordert und die Kunststoffmengen auf Mülldeponien reduziert.

Am häufigsten wird PET recycelt, weil es gegenüber anderen Kunststoffarten zahlreiche Vorteile aufweist. Zunächst einmal ist PET ein sehr inertes Polymer. Daher eignet es sich hervorragend als Verpackungsmaterial für Lebensmittel, da so gut wie keine Interaktion mit dem Inhalt der Verpackung stattfindet. Es ist luft- und wasserdicht und leicht zu formen, äußerst widerstandsfähig und sehr leicht – perfekt für Getränkeflaschen. Darüber hinaus können aus PET transparente Flaschen hergestellt werden, was mit PE oder PP nicht möglich ist.

PET-Recycling – eine Wachstumsbranche

Unsere industrialisierte Wohlstandgesellschaft ist auf Kunststoff angewiesen. Recycling muss allerdings deutlich an Bedeutung gewinnen. Durch effizientes und hochwertiges Recycling begeben wir uns auf den Weg zur Kreislaufwirtschaft und schützen so Natur und Umwelt für künftige Generationen. Aufgrund des zunehmenden Umweltbewusstseins in der Öffentlichkeit und größerer Leistungsfähigkeit von Recyclingbetrieben steigen die Recyclingraten. Stadler ist Vorreiter auf diesem fortschrittlichen Weg und ständig auf der Suche nach neuen Verfahren zur Maximierung der Effizienz des Recyclingprozesses und der Qualität der Produkte. Das Unternehmen hat weltweit über zwanzig Sortieranlagen für Mischkunststoffflaschen geplant und gebaut, davon über zehn speziell für PET.

In diesem Zusammenhang dürfte PET-Rezyklat aufgrund diverser Faktoren zunehmend an Bedeutung gewinnen, wie Roland Göggel, Stadler-Vertriebsdirektor DACH, erläutert: „Bis vor kurzem gab es keine Spezifikationen für die Verwendung von Rezyklaten bei der Herstellung neuer Produkte, das ist jetzt anders. Die EU hat neue Verordnungen verabschiedet. Sie fordern, dass Getränkeflaschen bis zum Jahr 2025 zu 25 % und bis 2030 zu 30 % aus recyceltem Material hergestellt werden müssen. Mindestens genauso wichtig ist das Aufkommen neuer Sammel- und Recyclingwege für Kunststoffverpackungen, die in Verbindung mit einem veränderten Verbraucherverhalten dem Recycling enormen Auftrieb geben werden. Die kunststoffproduzierende und verarbeitende Industrie zeigt sich neuerdings an Recycling äußerst interessiert, was in der Vergangenheit keineswegs der Fall war. Allerdings können die in der EU-Verordnung vorgegebenen Ziele nur dann erreicht werden, wenn alle an diesem Prozess beteiligten Bereiche zusammenarbeiten.“

So gelangt PET wieder in den Produktionskreislauf: der Recyclingprozess

Die gebrauchten PET-Flaschen werden gesammelt und zum Recyclingbetrieb transportiert. Dort werden Etiketten und Verschlüsse entfernt. Anschließend werden die Flaschen nach Farbe sortiert und zerkleinert. Das Material wird gewaschen, getrocknet, von letzten Verunreinigungen befreit, bei 270° C eingeschmolzen und zu Granulat verarbeitet. Das hierbei entstehende Produkt, das sogenannte Regranulat, wird mit neuem Granulat gemischt. Die Mischung wird eingeschmolzen und einer Spritzgussmaschine zugeführt, die daraus Rohlinge für neue PET-Flaschen herstellt. Die Rohlinge werden zum Abfüllbetrieb transportiert. Dort werden sie erhitzt und im Streckblasverfahren zu PET-Flaschen ausgeformt. Nach dem Reinigen und Etikettieren können die Flaschen befüllt und verkauft werden. Der Kreislauf ist geschlossen und die Flaschen beginnen einen neuen Lebenszyklus.

Vorteile des PET-Recyclings für die Umwelt
Recycling verringert in mehrfacher Hinsicht die Umweltbelastung durch die PET-Industrie. Der erste Vorteil liegt im verringerten Rohstoffverbrauch: neue Flaschen-Rohlinge lassen sich zu etwa 35 % aus Regranulat herstellen, dementsprechend wird Rohöl eingespart, das sonst zur Herstellung neuen Granulats verwendet worden wäre. Darüber hinaus verbraucht Recycling von Kunststoff 88 % weniger Energie als die Herstellung von Kunststoff aus neuen Rohstoffen.

Die effizientere Nutzung des Materials für die Rohlinge bringt einen weiteren Vorteil mit sich: „Heutzutage wiegt der Rohling für eine 1,5-l-PET-Flasche gerade einmal 26,8 g – deutlich weniger als die 38 g vor fünf Jahren“, erklärt Roland Göggel. „Der Einsatz von Regranulat und die effizientere Verwendung des Materials hat den Rohstoffverbrauch in den letzten fünf Jahren um 66 % gesenkt.“

Die PET-Industrie optimiert zudem den Transportaufwand, indem die Rohlinge in den Abfüllbetrieben zu Flaschen geblasen werden. Hierdurch wird die Zahl der Lkw-Fahrten vom Recyclingbetrieb zur Abfüllanlage drastisch reduziert: ein Lkw kann 700.000 Rohlinge transportieren, aber nur 15.000 fertige PET-Flaschen. Dies führt zu einer beträchtlichen Senkung des Kraftstoffverbrauchs und der Emissionen.

Die Bedeutung professioneller Sortieranlagen für effektives Recycling

Wenn Recycling seiner Aufgabe gerecht werden soll, das Problem der Kunststoffabfälle in der PET-Industrie zu lösen, sind effiziente Prozesse und hochwertige Endprodukte erforderlich, die auf dem Markt mit Neumaterial mithalten können. Und das ist genau der Punkt, an dem Stadler den großen Vorteil bietet: „Wir beherrschen die Verfahrenstechnik über den gesamten Lebenszyklus des Materials“, führt Göggel aus. „Das bedeutet, dass wir unterschiedliche Technologien optimal kombinieren und im Hinblick auf die Kosten-Nutzen-Überlegungen des Kunden wirtschaftlicher nutzen können. Besonders wichtig ist hierbei, dass Stadler jederzeit die Gesamtverantwortung für das Projekt hat, und wir unseren Kunden bei jedem Teilaspekt mit unserem Expertenwissen zur Seite stehen.“

Die Firma RCS Rohstoffverwertung GmbH mit Sitz Werne hat sich von Stadler s Know-how überzeugen lassen. Alexander Rimmer, einer der beiden Geschäftsführer von RCS, sagt dazu: „Stadler bot uns das Komplettpaket, von der Projektplanung bis zum baulichen Abschluss der Modernisierung der gesamten Anlage, die von Stadlers Personal geleitet und durchgeführt wurde. Insbesondere das technische Fachwissen und die Unterstützung während des gesamten Projektes wussten wir sehr zu schätzen. Wir wurden ausgezeichnet beraten. Stadler schickte uns exzellente Experten, die uns nicht nur zu Technologie und Verfahren berieten, sondern auch speziell auf unsere technischen Anforderungen abgestimmte Ausführungsmöglichkeiten und Lösungsvorschläge anboten.“

Dieses Projekt ist zudem ein gutes Beispiel dafür, wie Stadler Entwicklungen in der Recyclingindustrie vorwegnimmt. Stadler beobachtete, dass die Hersteller von PET-Flaschen das Verpackungsmaterial veränderten und zunehmend Full-Body-Sleeves einsetzten, und erkannte hier neuen Bedarf: die Etiketten mussten vor dem Sortieren entfernt werden. Zu diesem Zweck entwickelte das Unternehmen einen neuen Delabeler, der bei RCS an den Anfang der Sortierlinie positioniert wurde. Alexander Rimmer zeigt sich sehr zufrieden: „Mit dem Stadler Delabeler werden die Etiketten abgestreift, wobei die PET-Flaschen weniger beschädigt werden als dies bei anderen Herstellern der Fall ist. Entsprechend haben wir weniger feinen Abrieb.“

Der Recyclingkreislauf schließt sich

Gebrauchte PET-Flaschen können für den Verpackungssektor und andere Branchen eine wertvolle Materialquelle sein, und eine wichtige Rolle dabei spielen, die Umweltbelastung durch Kunststoffe herabzusetzen. Dennoch wird dieses Potenzial in vielen Bereichen nicht umfassend genug genutzt. Stadler hat eine Möglichkeit gefunden, den Recyclingkreislauf zu schließen, und ist zu diesem Zweck mit Kronen, einem in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie bekannten Unternehmen, eine Partnerschaft eingegangen. Ziel beider Partner ist es, die Vorteile des Kunststoffrecyclings für Kunden in aller Welt so einfach und so gewinnbringend wie möglich zu nutzen. „Wir wollen unseren Kunden das hochwertigste Endergebnis in der Branche bieten“, betont Willi Stadler, Geschäftsführer der Stadler Gruppe.

Gemeinsam wollen Stadler und Krone ein Gesamtpaket anbieten, vom Sortieren über den Waschvorgang bis hin zur Herstellung eines neuen Kunststoffprodukts. „Diese Kooperation ermöglicht es uns, verfahrenstechnische Lösungen für alle Schritte anzubieten, von heterogenen Abfallgemischen zur fertigen Plastikflasche“, sagt Roland Göggel. „Soviel ich weiß, bietet kein anderes Unternehmen auf dem Markt diese umfassende verfahrenstechnische Kompetenz. Dadurch, dass wir sämtliche Verfahrensschritte unter einem Dach ausarbeiten, können wir die Konzepte verbessern, sowie qualitativ und wirtschaftlich noch gezielter an die jeweilige Aufgabe anpassen. Dabei bieten wir nicht nur Lösungen für Kunststoffe wie PET, sondern auch für Massenkunststoffe wie PE, PP oder PS an. Auf diese Weise tragen wir erheblich dazu bei, dass die Recyclingziele der EU erreicht werden.“

Im Rahmen ihrer Partnerschaft wollen die beiden Unternehmen ihren Kunden nicht nur ihre bewährten Lösungen als komplette schlüsselfertige Anlagen aus einer Hand anbieten, sondern gemeinsam neue Ansätze, Verfahren und Technologien zur Abfallsortierung und aufbereitung anbieten. Von der Zusammenführung ihres Know-hows und ihrer Technologien versprechen sich Kronen und Stadler wesentliche Impulse für die Recyclingtechnologie und die damit zusammenhängende Kreislaufwirtschaft.

Kommentar schreiben

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.